15. Jahrgang Nr. 9 / 25. September 2015 | 12. Tischri 5776

Rabbiner für Chemnitz

Rabbiner Jakov Pertsovsky wurde offiziell als Gemeinderabbiner in Chemnitz bestätigt

Im September wurde Rabbiner Jakov Pertsovsky offiziell in sein Amt als Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chemnitz eingeführt. Ganz neu ist er in der Gemeinde allerdings nicht: Der offiziellen Bestellung zum Gemeinde­rabbiner ging ein Probejahr in Chemnitz voraus.
Bei der feierlichen Amtseinführung war der Zentralrat der Juden in Deutschland durch seinen Vizepräsidenten Abraham Lehrer vertreten. Die Amtseinführung des Rabbiners, so Lehrer, bedeute nicht nur einen ganz besonderen Tag für die Chemnitzer Gemeinde, sondern stelle auch ein sichtbares Zeichen für das gewachsene jüdische Leben in Deutschland dar. Lehrer ging auch auf die aktuelle, durch die Flüchtlingskrise in Deutschland entstandene Situation ein. Rabbiner Pertsovsky, so der Vizepräsident des Zentralrats, trete sein Amt in unruhigen Zeiten an. Die Hetze gegen die Flüchtlinge sei Grund zu großer Sorge. Zurzeit richteten sich die Wut und der Hass gegen die Flüchtlinge; vorher seien es pauschal Muslime gewesen. Es könnten, so Lehrer, genauso Juden sein.
Rabbiner Pertsovsky, 28, wurde in Kiew geboren und siedelte im Alter von elf Jahren nach Deutschland über. Er wuchs in München auf und machte sein Abitur in Berlin. Nach Rabbinatsstudien in Jerusalem und am Rabbinerseminar in Berlin erhielt er 2014 seine Smicha (Rabbinerdiplom). Mit der Bestellung eines orthodoxen Rabbiners vollzog die ehemals liberal geführte Gemeinde in Chemnitz einen Kurzwechsel, bleibt aber, wie die Gemeindevorsitzende Ruth Röcher betonte, eine Einheitsgemeinde.
Eine dynamische jüdische Gemeinde entwickelte sich in Chemnitz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts erreichte ihre Mitgliederzahl mit 3500 Personen einen Höchststand. Nach der Zerstörung durch das Dritte Reich und der Vertreibung oder Ermordung der jüdischen Bevölkerung der Stadt entwickelte sich das jüdische Leben in DDR-Zeiten nicht gerade positiv. Waren 1957 in der Gemeinde 35 Mitglieder registriert, so schrumpfte diese Zahl bis zum Zeitpunkt des Mauerfalls 1989 auf nur 12 Personen. Durch die Zuwanderung aus der Ex-UdSSR nahm die Mitgliederzahl kräftig zu und liegt heute bei rund 600.

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