15. Jahrgang Nr. 8 / 28. August 2015 | 13. Elul 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Anschlag

Auf den Hof der Eheleute Birgit und Horst Lohmeyer im Dorf Jamel im Landkreis Nordwestmecklenburg wurde im August ein Brandanschlag verübt. Die Polizei geht von einem rechtsextremistischen Gewaltakt aus. Das Ehepaar Lohmeyer setzt sich seit Jahren gegen den Rechtsextremismus ein, wofür es zahlreiche Anfeindungen von Neonazis hinnehmen muss. Im Jahr 2011 wurden Birgit und Horst Lohmeyer vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Zu dem nunmehr verübten Anschlag erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „Der Zentralrat der Juden ist schockiert über diese Nachricht. Wie man leider sieht, nehmen die Herausforderungen im Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht ab. Es ist wichtiger denn je, gemeinsam und geschlossen für Toleranz und Freiheit einzutreten. Solch mutige Menschen wie das Ehepaar Lohmeyer dürfen nicht allein gelassen werden. Ich wünsche Birgit und Horst Lohmeyer viel Kraft für ihre weitere, unerlässliche Arbeit. Wir stehen an ihrer Seite.“

Verlust

Am 1. August ist der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Jerzy Kanal im Alter von 94 Jahren verstorben. Kanal, ein Ausch­witz-Überlebender, stand in den Jahren 1992 bis 1997 an der Spitze der Berliner Gemeinde. In den Jahren 1990 bis 1997 war er auch Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland und diente 1997 mehrere Monate lang als Vizepräsident des Zentralrats. Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster erklärte: „Mit tiefer Trauer haben wir die Nachricht vom Tod Jerzy Kanals vernommen. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen. Der Zentralrat wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.“

Berlin

An der Spitze der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ findet ein Führungswechsel statt. Gründungsdirektor Dr. Hermann Simon, der das hoch angesehene Forschungs- und Ausstellungszentrum 27 Jahre lang geleitet hat, geht in den Ruhestand. Seine Nachfolge tritt ab September Dr. Anja Siegemund an. Die Historikerin spezialisiert sich auf die Geschichte deutscher Juden. Seit 2009 war sie als Direktorin des Leo Baeck Instituts Jerusalem zur Geschichte der Juden Deutschlands und Zentraleuropas tätig.

München

Das Moses Mendelssohn Zentrum der Universität Potsdam hat die diesjährige Moses-Mendelssohn-Medaille dem Münchener Kunsthistoriker und Verleger Hubert Burda verliehen. Damit wird Burdas Einsatz gewürdigt, „die Verständigung zwischen Deutschland und Israel zu vertiefen, und sein besonderes Engagement, die jüdischen Gemeinden, vor allem die Münchner Israelitische Kultusgemeinde, darin zu unterstützen, sich als eine öffentlich wahrgenommene und zunehmend als Selbstverständlichkeit akzeptierte Gemeinschaft der deutschen Gesellschaft zu etablieren.“ Der festliche Akt der Übergabe fand im Münchener Jüdischen Gemeindezentrum „Ohel Jakob“ statt.