15. Jahrgang Nr. 8 / 28. August 2015 | 13. Elul 5775

Gesinnungszwang

Kurz vor Beginn des spanischen Reggae-Festivals Rototom Sunsplash, das in der zweiten Augusthälfte stattfand, luden die Veranstalter den jüdisch-amerikanischen Musiker Matisyahu wieder aus. Der Grund für die Ausladung war Matisyahus Weigerung, eine ihm – als einzigem Teilnehmer – vorgelegte politische Erklärung zu unterzeichnen. In dieser, so die Veranstalter, hätte der Sänger „sich klar gegen den Krieg und für das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen Staat“ aussprechen müssen. Zuvor war Matisyahu von der antiisraelischen Boykottorganisation BDS „beschuldigt“ worden, den Staat Israel, der Apartheid und ethnische Säuberung praktiziere, „zu rechtfertigen“.
Nach zahlreichen Protesten wurde die Ausladung wieder rückgängig gemacht, doch war die Affäre damit auch und gerade in der jüdischen Welt nicht einfach vergessen. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, erklärte gegenüber der „Zukunft“: „Die unter internationalem Druck erfolgte Rücknahme des Auftrittsverbots war geboten, doch bleibt der antiisraelische Gesinnungszwang, dem der Künstler ausgesetzt wurde, empörend. Der Vorfall erinnert an den ehemaligen Ostblock oder an den heutigen Iran. In einer Demokratie hat solches Verhalten aber keinen Platz. Wir sind stolz darauf, dass Matisyahu vor wenigen Wochen bei uns bei der Eröffnung der Europa-Makkabiade in Berlin aufgetreten ist und sprechen ihm unsere Solidarität aus.“

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