29.07.2015

"Ein Traum ist Wirklichkeit geworden"

Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, bei der Eröffnungsfeier der European Maccabi Games, 28.7., Waldbühne Berlin

Anrede,

Heute wird ein Traum wahr!

70 Jahre nach der Shoa, fast 80 Jahre nach den Olympischen Spielen von 1936, als Hitler genau hier mit einer perfekten Propaganda-Show die Welt blendete, als nur 40 Kilometer von hier entfernt das KZ Sachsenhausen gebaut wurde, nur so wenige Jahrzehnte später sind wir hier!

Mehr als 2.000 jüdische Sportler, Hunderte Mitglieder unserer jüdischen Gemeinden, Hunderte Mitglieder der Maccabi-Vereine und Tausende Freunde der jüdischen Gemeinschaft.

Das ist ein Traum, den viele von uns niemals zu träumen gewagt hätten.

Heute ist er Wirklichkeit geworden!

Die European Maccabi Games sind zum ersten Mal nach Deutschland gekommen! Nach Berlin! In die Stadt, in der einst der Völkermord an den Juden geplant wurde und von der aus die Shoa grausam in die Tat umgesetzt wurde. In dieser Stadt werden heute Juden aus ganz Europa und der Welt willkommen geheißen!

Hier wollen wir unsere Wettkämpfe austragen. Hier wollen wir die besten jüdischen Sportler küren. Hier werden Medaillen-Träume wahr.

Uns allen geht es aber nicht nur ums Gewinnen. Es ist eine Ehre, dabei zu sein. Und auch wer keinen Wettkampf gewinnt, kann sich am Ende zu den Siegern zählen. Denn Ihr alle, liebe Sportler, werdet bereichert nach Hause fahren!

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Die internationale Maccabi-Gemeinschaft reicht Deutschland die Hand: Sie vertraut Deutschland. Sie baut auf Deutschland als Verbündeten. So wie vor 20 Jahren Tausende Juden aus der ehemaligen Sowjetunion Deutschland vertraut haben und hierher gezogen sind. Sie haben unser jüdisches Leben zu neuer Blüte gebracht. Sie haben damit Deutschland ein großes Geschenk gemacht.

Doch auch wir verdanken Deutschland in den vergangenen 70 Jahren viel: Ein Leben in Frieden und Sicherheit. All das wollen wir heute gemeinsam feiern: Mit unseren jüdischen Freunden und mit allen unseren nicht-jüdischen Freunden!

Wo Hitler sein „Deutschland, Deutschland über alles“ brüllte, singen wir heute die Hatikwa. Wo die Nazis von einem judenfreien Europa träumten, lassen wir unseren jüdischen Traum Wirklichkeit werden.

Wir zünden ein Feuerwerk der jüdischen Kultur, ein Feuerwerk der Gefühle, ein Feuerwerk der Rekorde!

Und aus tiefstem Herzen möchte ich heute Danke sagen: Danke an Makkabi Deutschland und die Organisatoren der Spiele, die zum Schluss Tag und Nacht geschuftet haben! Danke an die Stadt Berlin, die uns so unterstützt! Danke an die 300 Freiwilligen, ohne deren Hilfe diese Spiele nicht möglich wären! Und Danke an die Hunderten von Polizisten, die uns schützen! Danke an alle, durch die dieser Traum Wirklichkeit geworden ist!

Wir wetteifern in den sportlichen Disziplinen, doch im Herzen sind wir alle vereint.

Maccabi Chai!