15. Jahrgang Nr. 7 / 24. Juli 2015 | 8. Aw 5775

Meisterübersetzung behutsam angepasst

Das Abraham Geiger Kolleg und der Herder-Verlag stellten eine revidierte Ausgabe der berühmten deutschen Tora-Übersetzung von Ludwig Philippson vor

Von Heinz-Peter Katlewski

Ein Geschenk, wie es Abraham Lehrer als Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland von Rabbiner Dr. Walter Homolka überreicht wurde, bekommt man nicht alle Tage: ein druckfrisches Exem­plar des Fünferbuchs im Ledereinband und mit Namensprägung. Besonders war aber auch die Ausgabe, die Lehrer bekam: eine revidierte und neuaufgelegte Version der von Rabbiner Ludwig Philippson vorgenommenen und 1886 veröffentlichten deutschen Übersetzung der Tora. Die Philippson-Tora, wie sie genannt wird, wurde für ihren Sprachstil gepriesen und war im liberalen Judentum in Deutschland äußerst populär. Allein die Erstauflage lag bei 100.000 Exemplaren. Weitere Auflagen folgten. 1874 erschien eine Prachtausgabe mit 154 Zeichnungen des französischen Grafikers und Malers Gustave Doré.
Jetzt hat der Herder-Verlag gemeinsam mit dem Potsdamer Abraham Geiger Kolleg eine zweisprachige Neu-Edition der Philippson-Tora in einer Auflage von vorerst 4500 Exemplaren herausgegeben. Im Juni wurde das Werk in der Berliner Repräsentanz der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder feierlich vorgestellt. Unter den Ehrengästen waren unter anderem der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Rabbiner Dr. h. c. Henry G. Brandt, der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Prälat Dr. Martin Dutzmann als Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Präsident der Universität Potsdam, Prof. Dr. Oliver Günther. Für die geladenen Gäste hielt der Herder-Verlag je ein Exemplar der neuaufgelegten Tora bereit: 1168 Seiten, sorgfältig eingefasst in einen mittelblauen Balacron-Einband, beschriftet mit silbernen Lettern auf Hebräisch und Deutsch und versehen mit einem blauen und einem silbernen Lesebändchen. Der Text wurde rechts in Hebräisch und links in deutscher Übersetzung gedruckt. Orientiert am hebräischen Schriftverlauf ist dieser Chumasch deshalb von rechts nach links zu lesen. Die Ausgabe enthält zudem die Haftarot (Prophetenlesungen) und rabbinische Einleitungen zu den einzelnen Büchern des Pentateuchs.
Herausgeber der revidierten Ausgabe sind Dr. Rüdiger Liwak, Benno-Jacob-Gastprofessor in Potsdam, Walter Homolka, Professor am Institut für Jüdische Theologie der Universität Potsdam und Rektor des Abraham Geiger Kollegs, sowie Dr. Hanna Liss, Professorin an der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. War es Philippson seinerzeit darum gegangen, eine getreue, sprachlich verständliche und an den Grundsätzen des Judentums ausgerichtete Übersetzung zu erstellen, so setzten sich die Herausgeber der jetzt revidierten Ausgabe das Ziel, die Übersetzung behutsam an den heutigen deutschen Sprachgebrauch anzupassen. Dabei wurden sie von Susanne Gräbner und Daniel Vorpahl unterstützt.
Diese Neuausgabe soll sowohl in den jüdischen Gemeinden als auch an Schulen, Hochschulen und Universitäten Verwendung finden. Wohl deshalb wurde sie um einleitende Aufsätze ergänzt. Professor Liwak erklärt die Grundsätze der Revision, Rabbinerin Tamara Cohn Eskenazi (Hebrew Union College, Los Angeles) beschreibt, wie sich die Bedeutung der Tora in den vergangenen 150 Jahren in den jüdischen Strömungen gewandelt hat, und Dr. Klaus Herrmann (Freie Universität Berlin) ordnet Philippsons Bibelwerk in die Systematik der Bibel-Übersetzungen ein.

Homolka, Walter/Liss, Hanna/Liwak, Rüdiger (Hrsg.): Die Tora – Die Fünf Bücher Mose und die Prophetenlesungen (hebräisch-deutsch) in der revidierten Fassung von Rabbiner Ludwig Philippson,
Format 13 x 20,3 cm, 1168 Seiten,
Verlag Herder, Freiburg 2015,
ISBN 978-3-451-33334-7, 38 Euro