15. Jahrgang Nr. 7 / 24. Juli 2015 | 8. Aw 5775

Neuer Status

Die Union progressiver Juden gab Zuerkennung der Körperschaftsrechte bekannt / 21. Jahrestagung in Berlin

Von Heinz-Peter Katlewski

Vom 2. bis 5. Juli hielt die Union progressiver Juden in Berlin ihre Jahrestagung ab. Zu den wichtigsten Ereignissen des Treffens gehörte die bei der Eröffnungsfeier vor 265 Tagungsteilnehmern abgegebene Erklärung der UpJ-Vorsitzenden Sonja Guentner, am 23. Juni 2015 habe die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen der UpJ offiziell die Körperschaftsrechte verliehen. Nach Abschluss des dazu noch notwendigen Gesetzgebungsverfahrens werde die UpJ künftig kein Verein mehr sein, sondern eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Nach deutschem Recht handelt es sich bei Körperschaften des öffentlichen Rechts um Einrichtungen, die öffentliche Aufgaben ausüben und als solche vom Staat anerkannt sind. Religiösen Gemeinschaften kann dieser Status unter bestimmten Bedingungen gewährt werden. Im Bereich des jüdischen Lebens ist beispielsweise der Zentralrat der Juden in Deutschland eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Das gilt auch für die Landesverbände jüdischer Gemeinden sowie für den Großteil der jüdischen Gemeinden.
Die UpJ ist eine Arbeitsgemeinschaft liberaler jüdischer Gemeinden und Institutionen. Die 1997 gegründete Organisation hat im Lauf der Zeit eigene Strukturen ausgebildet – anfänglich mithilfe des europäischen Zweiges der World Union for Progressive Judaism. Heute gibt es eine eigene Jugendabteilung, die mit der weltweiten reformzionistischen Jugendorganisation NETZER verbunden ist, die Organisation „Jung und Jüdisch“ für junge jüdische Erwachsene und mit dem Abraham-Geiger-Kolleg an der Universität Potsdam ein Rabbiner- und Kantorenseminar, das der UpJ nahesteht.
Die jährlichen Zusammenkünfte begannen bereits vor der offiziellen Gründung der UpJ, sodass in diesem Jahr bereits die 21. Jahrestagung abgehalten werden konnte. Der Schwerpunkt der 20 Workshops, die im Rahmen der Veranstaltung stattfanden, war das 50-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. Zur Einstimmung erinnerten der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Reinhold Robbe und Rabbiner Lawrence Englander, Präsident von ARZENU, der zionistischen Weltföderation des reformierten und progressiven Judentums, an die verschiedenen Phasen der Entwicklung des besonderen Verhältnisses zwischen den beiden Staaten. Den Erew-Schabbat-Gottesdienst leitete in diesem Geist Rabbinerin Galia Sadan aus Tel Aviv, die in Israels Mittelmetropole die Gemeinde Beit Daniel betreut.
In den Gruppendiskussionen ging es dann vor allem um Politisches: die aktuelle politische Situation in Israel, die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora oder das Verhältnis zwischen Zionismus und den Siedlungen. Literaturinteressierte Teilnehmer erfuhren von der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Elmshorn, Alisa Fuhlbrügge, welche israelischen Autoren in jüngster Zeit Bücher in deutschen Verlagen veröffentlich haben.
Angeleitet von UpJ-Jugendleiter Konstantin Seidler und sechs Madrichim näherten sich die Kinder – für die es ein eigenes Programm gab – Israel auf spielerische Weise: mit Quizfragen, Zeichnungen, Erkundungen und Geschichten; oder sie wanderten in „Traumreisen“ herab vom Golan nach Haifa ans Mittelmeer, durch Galiläa, nach Jerusalem und Tel Aviv. Sie lernten die Negev-Wüste kennen, badeten im Toten Meer und schnorchelten in ihrer Phantasie bei Eilat. Außerdem schufen sie sich für ihren Kinder-Schacharit-Gottesdienst mit dem Münchner Rabbiner Tom Kucera eine eigene, von ihnen selbst illustrierte kleine Torarolle mit dem Text des aktuellen Wochenabschnitts Balak. Allerdings gab es an diesem tropisch heißen Wochenende immer auch Raum für Ballspiele, Trampolinspringen, Schach und kühlende Wasserschlachten.