15. Jahrgang Nr. 7 / 24. Juli 2015 | 8. Aw 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Leo-Baeck-Preis

Der Zentralrat der Juden in Deutschland verleiht in diesem Jahr auf einstimmigen Beschluss seiner Spitzengremien den Leo-Baeck-Preis an den Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen). Die Preisverleihung wird Anfang November in Berlin stattfinden. Wie der Zentralrat in der Begründung seiner Entscheidung erklärte, engagiert sich Beck seit mehr als 20 Jahren für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und über die Grenzen Deutschlands hinaus. „Sein Kampf gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit ist vorbildlich“, stellten das Präsidium und das Direktorium des Zentralrats fest. Als Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe engagiert sich Beck zudem in herausragender Weise für Israel.
„Volker Beck setzt auf würdige Weise die Reihe unserer Leo-Baeck-Preisträger fort“, erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. „In seinem Engagement für die jüdische Gemeinschaft und in seinem Kampf gegen jede Form von Antisemitismus hat er nie nachgelassen. Damit hat er diese Auszeichnung mehr als verdient.“ Mit dem Leo-Baeck-Preis ehrt der Zentralrat der Juden Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt und sich um sie verdient gemacht haben.

Verlust

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat mit großer Betroffenheit und Erschütterung auf den plötzlichen Tod des Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder (CDU) reagiert. Mißfelder ist im Juli im Alter von 35 Jahren verstorben. Der Parlamentarier war dem Zentralrat eng verbunden und seit vielen Jahren ein wichtiger und vertrauensvoller Gesprächspartner. Philipp Mißfelder, so der Zentralrat, habe stets ein offenes Ohr für jüdische Anliegen gehabt.
„Es ist unfassbar, dass ein so junger Mensch und ein so hoffnungsvolles politisches Talent so früh sterben musste“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. „Philipp Mißfelder hat sich über viele Jahre mit großem Verantwortungsbewusstsein und außenpolitischem Gespür für Israel eingesetzt. Die politische Zusicherung, dass Israels Sicherheit zur deutschen Staatsräson gehört, hat er mit Leben erfüllt. Sein Tod ist ein großer Verlust für die deutsche Politik und die jüdische Gemeinschaft. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen Kindern.“

Stuttgart

Im Juli ist Arno Fern, langjähriges Mitglied im Vorstand und in der Repräsentanz sowie früherer Geschäftsführer der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW), verstorben. Fern wurde 1938 in Fürth geboren und wuchs in Stuttgart auf. Als Kind wurde er im südfranzösischen Kloster Monsac versteckt und überlebte so die Schoa. Der Zentralrat der Juden in Deutschland bekundete seine Trauer über Arno Ferns Tod.

Koblenz

Die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz plant den Bau einer neuen Synagoge. Wie der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev, erklärte, soll die Synagoge kein „Prachtbau“ werden, wohl aber größer als die heutige Notlösung. Seit der Nachkriegszeit nutzt die Gemeinde eine umfunktionierte jüdische Trauerhalle als Synagoge. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung könnte die geplante neue Synagoge 2017 oder 2018 fertiggestellt werden. Der Finanzbedarf des Projekts wird auf rund sechs Millionen Euro geschätzt. Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts genutzte Synagoge wurde in der „Reichskristallnacht“ verwüstet.

Leipzig

Im Rahmen der Jüdischen Woche in Leipzig fand Anfang Juli ein Schabbat-Gottesdienst am Standort der ehemaligen Großen Gemeindesynagoge statt. Der Gottesdienst wurde von der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig ausgerichtet und von Rabbiner Zsolt Balla geleitet. Seit 2001 ist das Grundstück der 1938 von den Nazis zerstörten Synagoge ein Mahnmal.
Die von der Stadt Leipzig, der Israelitischen Religionsgemeinde und der Ephraim Carlebach Stiftung veranstaltete Jüdische Woche fand bereits zum 11. Mal statt. Sie war am 28. Juni in der Leipziger Stadtbibliothek von Oberbürgermeister Burkhard Jung und dem Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Mitglied des Präsidiums des Zentralrats der Juden in Deutschland, Küf Kaufmann, eröffnet worden.