15. Jahrgang Nr. 7 / 24. Juli 2015 | 8. Aw 5775

Hoher Gast

Bundespräsident Joachim Gauck hielt in Heidelberg eine Rede über Martin Buber und besuchte die Hochschule für Jüdische Studien

Am 23. Juni 2015 würdigte Bundespräsident Joachim Gauck den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber mit einer Rede an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Seine Rede hielt der Bundespräsident im Rahmen einer von der Heidelberger Martin-Buber-Gesellschaft aus Anlass von Bubers 50. Todestag durchgeführten Konferenz.
Bei seiner Ansprache in der Alten Aula der Universität erinnerte sich Gauck an seine Studentenzeit in Rostock, wo er sich mit Bubers Übersetzung der hebräischen Bibel beschäftigt hatte. Bubers Verdeutschung der Heiligen Schrift, so der Bundespräsident, habe ihm den Text noch einmal neu eröffnet, obwohl er damals geglaubt habe, schon alles zu kennen. Die Sprachkraft und Bildhaftigkeit der hebräischen Sprache habe Buber auf einmalige Weise zum Klingen gebracht. Bei der Lektüre der Übersetzung, so Gauck, müsse man das im Deutschen fremd Klingende der hebräischen Grammatik in Nähe verwandeln. Dabei begreife man, dass das Heilige beides zugleich sei: „vertraut und verstörend, erschreckend und faszinierend“.
Der Gelehrte Martin Buber habe den Dialog als eine wirkliche Begegnung zwischen „Ich“ und „Du“ gepredigt. Keine Seite dürfe dabei zu einem „Es“ verdinglicht werden. Diese Denkweise Bubers sei zutiefst antitotalitär und antiideologisch, hob der Bundespräsident anerkennend hervor.
Im Anschluss an den Festakt besuchte Joachim Gauck die Hochschule für Jüdische Studien. Dabei wurde er unter anderem vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, dem Zentralrats-Vizepräsidenten Abraham Lehrer und Geschäftsführer Daniel Botmann begleitet. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Hochschule, Professor Salomon Korn, der Rektor, Professor Johannes Heil, und Hochschulrabbiner Shaul Friberg stellten dem Bundespräsidenten den Neubau mit der Hochschulbibliothek vor. Der Zentralrat ist Träger der Hochschule.
In einer kurzen Rede beglückwünschte Gauck die Hochschule zu ihren Erfolgen und lobte das gemeinsame Engagement von öffentlicher Hand und privaten Förderern zur Unterstützung der Universität. Zum Abschluss seines Besuchs traf sich der Präsident bei einem Empfang in der Cafeteria mit Studierenden der Hochschule und sprach mit ihnen über Motive für das Studium an diesem Ort und über ihre Erfahrungen.

hpk