5. Jahrgang Nr. 2 / 24. Februar 2005 15. Adar I 5765

Köhler setzt auf Zukunftspartnerschaft

Deutsches Staatsoberhaupt traf bei seinem ersten Israel-Besuch den richtigen Ton und rief zur engen Zusammenarbeit auf

Zum Abschluss seines ersten Staatsbesuchs in Israel, der gleichzeitig der Auftakt für die Feiern der 40-jährigen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern war, gab der Bundespräsident ein Versprechen: Er werde an den Themen dranbleiben. Darüber hinaus zog Horst Köhler eine positive Bilanz seiner viertägigen Reise Anfang Februar. Sie habe ihn ermutigt, für einen noch stärkeren Ausbau der deutsch-israelischen Beziehungen einzutreten.Hier möchte er sich - ebenso wie sein Vorgänger Johannes Rau – vor allem für mehr Jugendaustausch mit Israel einsetzen. Außerdem will er für eine viel engere wirtschaftlich-technologische Zusammenarbeit mit dem Nahost-Land werben. Köhler versteht dies als Teil einer neuen "Zukunftspartnerschaft" mit Israel, die er mitinitiieren will und die er an seine Vision knüpft, den Holocaust zwar als "Teil der deutschen Identität" zu verstehen, gleichzeitig aber auch den Mut junger Menschen aus beiden Ländern zu unterstützen, "trotz oder sogar wegen dieser Vergangenheit gemeinsam für eine bessere Welt" einzutreten.

Köhler hat die schwierigste Reise seiner erst kurzen Amtszeit mit Achtung gemeistert. Dass er seine Knesset-Rede mit Sätzen auf Hebräisch ("Sie haben mich hierher eingeladen, um meine Rede vor der Knesset in Jerusalem zu halten. ... Diese Reise, dieser Tag, diese Stunde bewegen mich sehr…") begann, erwies sich im Nachhinein als gelungene Geste an die Adresse derjenigen, die "die Sprache der Täter" in einem israelischen Parlament nicht hören wollten. Es war die Überraschung dieser Reise. Er habe nur positive Reaktionen auf die Rede von israelischer Seite gehört, so der Bundespräsident im Rückblick. Bei der Ansprache vor etwa 80 der 120 Knesset- Abgeordneten hatte Köhler die deutsche Verantwortung für den Holocaust bekräftigt und ein entschlossenes Vorgehen gegen Rechtsextremisten und Antisemiten angekündigt. Als er seine Betroffenheit bei dem Besuch in der Gedenkstätte Yad Vaschem schilderte, versagte ihm streckenweise die Stimme. Auch Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, war tief beeindruckt von der Köhler-Rede: " Noch nie war ein Bundespräsident in der Knesset den Tränen so nahe. Es war eine schwierige Aufgabe, er hat sie gut gelöst.“

Der israelische Parlamentspräsident Reuven Rivlin bezeichnete Köhler als «wahren Freund» Israels. Er forderte ein Verbot von Neonazi-Parteien in Deutschland: «Parteien von Neonazis und Holocaust-Verleugnern können nicht innerhalb der Gesetze behandelt werden.» Auch Regierungschef Ariel Scharon verlangte einen «erbarmungslosen Kampf» gegen den neuen Antisemitismus. Scharon sprach von freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, fügte aber hinzu: «Es kann kein Vergeben und kein Verzeihen dafür geben, was die Deutschen den Juden angetan haben.»

Köhler bekannte sich zur Solidarität mit Israel: «Dass Israel in international anerkannten Grenzen und frei von Angst und Terror leben kann, ist unumstößliche Maxime deutscher Politik.

dpa/zu