15. Jahrgang Nr. 6 / 26. Juni 2015 | 9. Tammus 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Berlin

Im Juni hat das Touro College Berlin zum zehnten Mal die Touro College Berlin Bachelor- und Masterabschlüsse verliehen. Die diesjährigen Absolventen wurden im Berliner Rathaus von der Rektorin des Colleges, Sara Nachama, gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, verabschiedet.
Müller würdigte die Leistung des Touro College, das als eine in den USA und in Deutschland akkreditierte private Hochschule amerikanische und deutsche Studienabschlüsse verleiht. Der Regierende Bürgermeister führte aus: „Es ist ein großes Glück für Berlin, dass in der Stadt, in der einst der Holocaust geplant wurde, dem auch zehntausende Berliner Juden zum Opfer fielen, eine bedeutende jüdische Hochschule heimisch geworden ist.“ Bei der Abschlussfeier hielt die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Berlin, Melanie Bähr, eine Festrede.
Seit seiner Gründung im Jahre 2003 hat das Touro College Berlin mehr als 200 Absolventinnen und Absolventen hervorgebracht. Aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums ruft die Hochschule in diesem Jahr ein Alumni-Netzwerk nach amerikanischem Vorbild ins Leben. Dieses soll sowohl den persönlichen als auch den fachlichen Austausch fördern. Derzeit lernen circa 170 Studenten aus aller Welt auf dem Charlottenburger Campus. Das praxis­orientierte Studienangebot umfasst betriebswirtschaftliche Bachelor-Studiengänge, das Studium der Psychologie, ein MBA-Programm sowie Europas einzigen Master-Studiengang in Holocaust-Kommunikation und Toleranz.

Augsburg

Rabbiner Henry G. Brandt, Rabbiner der Israelischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg und Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland, wurde vom Augsburger Stadtrat zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Damit wurden Brandts Verdienste um die Aussöhnung der Religionen gewürdigt. Rabbiner Brandt amtiert in Augsburg seit 2004. Der 1927 in München Geborene konnte 1939 mit seiner Familie in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina flüchten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ er sich in Großbritannien nieder und kehrte 1983 nach Deutschland zurück.

Schwerin

Die Jüdische Gemeinde Schwerin hielt im Juni einen Tag der offenen Synagoge ab. Den zahlreich erschienenen Besuchern erklärten Valerij Bunimov, Gemeindevorsitzender und Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, sowie Rabbiner Yuriy Kadnykov Grundsätze des Judentums und das Leben der Schweriner Gemeinde. Rabbiner Kadnykov zeigte den Gästen eine alte Torarolle und erläuterte, wie sie gelesen wird. Valerij Bunimov erklärte, eine jüdische Gemeinde bestehe in Schwerin seit 200 Jahren.
Die Neue Synagoge in Schwerin, die der Gemeinde dient, wurde 2008 eingeweiht. Sie befindet sich am historischen Standort früherer Synagogen. Die 1938 bestehende Synagoge wurde von den Nationalsozialisten verwüstet. Anschließend wurden die damaligen Gemeindemitglieder gezwungen, das Gebäude abzutragen.