15. Jahrgang Nr. 6 / 26. Juni 2015 | 9. Tammus 5775

Zivilcourage vermitteln

Die Journalistin Andrea Röpke wurde vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Paul-Spiegel-Preis ausgezeichnet

Von Zlatan Alihodzic

Von Neonazis wird sie tätlich angegriffen, ein Mann verfolgte sie und schlug ihr ins Gesicht. Von Verbänden und Stiftungen wiederum wird sie ausgezeichnet, ihre Arbeit gelobt. Die Anfeindungen schrecken sie nicht, die Ehrungen sind für sie kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Journalistin Andrea Röpke enttarnt seit Jahren rechtsextreme Strukturen in Deutschland, schreibt Bücher, veröffentlicht Beiträge in zahlreichen Zeitschriften und Fernsehmagazinen. Dafür hat sie der Zentralrat der Juden in Deutschland in diesem Jahr mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Die Verleihungsfeier fand am 17. Juni in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf statt.
„Neonazis mögen es gar nicht, wenn ihre Methoden bekannt oder ihre Pläne publik werden“, erklärte Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster in seiner Begrüßungsrede. Neben Ausdauer, Geduld und Beharrlichkeit sei für die Arbeit von Andrea Röpke deshalb vor allem eines nötig: Zivilcourage. Dr. Schuster betonte die Bedeutung von investigativem Journalismus für die Aufklärung von Bürgern, aber ebenso von Polizisten oder Lokalpolitikern über rechtsextreme Umtriebe. Doch nicht nur Röpkes Veröffentlichungen als Journalistin seien vorbildlich. In Vorträgen und bei der Arbeit mit Jugendlichen, führte der Zentralratspräsident aus, „gibt sie ihr Wissen weiter und vermittelt durch ihre eigene Person, wie wertvoll Zivilcourage ist“.
Dr. Schuster sah sich an Paul Spiegel sel. A. erinnert, der Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus ebenfalls nie einfach hingenommen habe. Gisèle Spiegel, die Witwe des ehemaligen Zentralratspräsidenten, begrüßte die Entscheidung, Andrea Röpke mit der Auszeichnung zu würdigen. Diese Wahl wäre im Sinne Paul Spiegels gewesen. „Ich weiß ganz genau, dass mein Mann diese Entscheidung aus vollster Überzeugung und mit viel Freude und Dankbarkeit unterstützt hätte“, verdeutlichte sie in ihrem Grußwort. Der Zentralrat war auch durch seinen Vizepräsidenten Abraham Lehrer, die Präsidumsmitglieder Heinz-Joachim Aris, Küf Kaufmann, Milena Rosenzweig-Winter, Vera Szackamer und Barbara Traub, mehrere Mitglieder des Direktoriums und Geschäftsführer Daniel Botmann vertreten. An der Zeremonie nahmen zudem Rabbiner, die stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann, Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel und viele andere Gäste teil. Die Anwesenden wurden vom Vorstandsvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Dr. Oded Horowitz, begrüßt.
In seiner Laudatio betonte Professor Hajo Funke, Andrea Röpke habe seit einem Vierteljahrhundert, die Präsenz und die Gefahr von Alt- und Neonazis „in nahezu unglaublicher Beharrlichkeit erforscht, aufgedeckt und präsent gemacht“ – und zwar oft gegen Widerstand auch aus der Politik.
Ihrerseits erklärte Andrea Röpke, in ihrer Arbeit der mit dem Andenken an Paul Spiegel verbundenen Auszeichnung gerecht werden zu wollen. „Ich bewundere, dass Paul Spiegel nach den Erlebnissen in seiner Kindheit den Mut und auch die Menschenfreundlichkeit hatte, wieder zurückzukehren.“ Die Auszeichnung des Zentralrats habe ihr zu einer größeren Aufmerksamkeit verholfen und so die Gelegenheit gegeben, die Themen ihrer Arbeit in die Öffentlichkeit zu bringen. Sie sei entsetzt über den Alltagsrassismus, der sich in Deutschland ausgebreitet habe. „Man muss sich an Menschen wie Paul Spiegel orientieren, die trotzdem den Mut hatten, aufzubauen. Diese werde ich mir zum Vorbild nehmen.“