15. Jahrgang Nr. 5 / 29. Mai 2015 | 11. Siwan 5775

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Jamim Noraim (hebräisch):

Rosch Haschana (Neujahrsfest) und der darauf folgende Jom Kippur (Versöhnungstag) werden als Jamim Noraim, „Ehrfurchtbare Tage“, bezeichnet. Sie werden traditionell als die Gerichtstage G’ttes betrachtet. Wir fühlen uns innerlich verpflichtet, vor unserem Schöpfer aufrichtig Rechenschaft über die Ereignisse unseres Lebens im vergangenen Jahr abzulegen.
Es ist vielerorts üblich, in der Woche vor dem Neujahrsfest oder sogar bis zum Jom-Kippur-Tag die Gräber der nächsten Anverwandten oder frommen Rabbiner aufzusuchen. An den Gräbern gedenkt man der tugendhaften Lebensweise der Heimgegangenen und hofft, dass uns ihr Beispiel beseelen wird.
In der volkstümlich-jüdischen Vorstellung ist das Bild lebendig, in diesen Tagen trage G’tt, diejenigen, die aufrichtig Buße tun, in das Buch des Lebens ein.
Vielerorts ziehen die Betenden und der Vorbeter während der G’ttesdienste an Rosch Haschana und Jom Kippur einen weißen „Kittel“ an – eigentlich die Tracht der Verstorbenen. Er drückt das Streben nach der Reinheit der Seele und Vergebung aus und bedeutet, dass wir dem einzig gerechten Richter, G’tt, vertrauen. Der „Sargenes“ spornt uns auch zu Umkehr und Buße an.