5. Jahrgang Nr. 7 / 29. Juli 2005 - 22. Tamus 5765

„Auszeichnung für alle Juden“

Vize-Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, erhielt Ehrenbürgerwürde der Stadt München

„Die Stadt hat dafür zu danken, dass die Ehrung angenommen wird.“ MünchensOberbürgermeister Christian Ude ließ Mitte Juni keinen Zweifeldaran, wie wichtig ihm die Verleihung desEhrenbürgerrechts an die Vize-Präsidentin der Zentralrats der Juden und an die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, ist. Dies sei „nicht eineEhrung wie andere“, erklärte der OB, „sondernein zutiefst bewegendes Ereignis,weil wir es großartig finden, dass Sie, dieSie die schlimmsten und entwürdigendstenEntgleisungen unserer Geschichte erlittenund erlebt haben, dennoch zur Versöhnungin der Gegenwart bereit sind undfür eine bessere Zukunft stehen“.

Die Verleihungdes Ehrenbürgerrechts an CharlotteKnobloch sei der „Schlußstein einesBrückenbaus“, der viel Zeit und Kraft inAnspruch genommen habe.Die IKG-Präsidentin hat als zweite Fraunach der FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher diese höchste städtische Auszeichnungerhalten. Die Feierstunde fand im AltenRathaussaal statt – dem Raum, in demJoseph Goebbels am 9. November 1938 jeneRede hielt, die als Auftakt der Pogromnacht gegen jüdische Bürger und Einrichtungenin ganz Deutschland ihre schreckliche Wirkungentfaltete.

„Ebenso wie im Haus derKunst die Überwindung des NS-Ungeistesam besten dadurch bewiesen wurde, dassdie Werke ausgestellt wurden, die die Nazisin ihrem Wahn als entartet gebrandmarkthatten“, sagte Ude, „ist auch gerade hier dieEhrung jüdischer Persönlichkeiten besondersgeeignet, die Last der Geschichte durchneue Ereignisse zu überwinden.“Knobloch, die auch Vizepräsidentin des European Jewish Congress und des World Jewish Congressist, sei „längst weit über München hinauszu einer der herausragensten und angesehenstenPersönlichkeiten des jüdischenLebens geworden – in Deutschland, Europaund rund um den Globus“, sagte der Bürgermeister.„Ihr Engagement ist damit weltumspannendgeworden, doch das Zentrum ihresverdienstvollen Wirkens ist München geblieben.“Hier habe sie sich unermüdlichdafür eingesetzt, „dass aus dem Nebeneinandervon Juden und Nichtjuden ein Miteinanderwird, dass die ,unsichtbare Mauer‘zwischen beiden Seiten überwundenwird und dass jüdisches Leben nicht längerim Verborgenen blüht, sondern für allewieder sichtbar und erfahrbar wird“.

Charlotte Knobloch nannte die Feierstunde einen „ungeheuren Glücksmoment –Ich, die ich in dieser Stadt als Kind zu denAusgestoßenen zählte, habe eine neue Heimatgewonnen.“ Sie erinnerte daran, „dassviele Namen jüdischer Bürger mit sozialenund kulturellen Errungenschaften in dieserStadt verbunden sind“. Die Auszeichnung,erklärte die IKG-Präsidentin, nehme siedeshalb auch stellvertretend für die jüdischeGemeinschaft der Stadt entgegen. leic

Aus Jüdische Allgemeine Nr. 26, 30.6.05