15. Jahrgang Nr. 5 / 29. Mai 2015 | 11. Siwan 5775

Ökologisch denken – ökologisch handeln

In Rostock fand ein ZWST-Seminar zum Umweltschutz in jüdischen Gemeinden statt

Von Thorsten Czarkowski

Der Umweltschutzgedanke ist im Judentum seit langem verankert. Schließlich geht es dabei nicht zuletzt um den Umgang des Menschen mit der Schöpfung. Auch heute stößt das Thema „Umweltschutz“ auf großes Interesse in der jüdischen Welt, die jüdische Gemeinschaft in Deutschland inklusive.
Ein greifbarer Beweis dafür war das Tagesseminar „Jewcology – Umweltschutz in jüdischen Gemeinden“, das im Mai in der Jüdischen Gemeinde in Rostock stattfand. Veranstalter war die Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Die Hauptsprache während der Info-Veranstaltung war – mit Blick auf die sprachliche Zusammensetzung des Publikums – Russisch, doch wurde auch Deutsch angeboten. Wie der Gemeindevorsitzende Juri Rosov bei dieser Gelegenheit erläuterte, spricht auch die große Mehrheit der rund 620 Gemeindemitglieder Russisch.
Die Teilnehmer wurden von Dr. Sabine Reisin, Projektleiterin im ZWST-Büro in Berlin, und Alissa Grozmani vom ECOLOG-Institut Hannover begrüßt. Mit dem Vortrag „Bauen und Bewahren, ökologisches Denken im Judentum“ bot der in Rostock und Schwerin tätige Rabbiner Yuriy Kadnykow eine Einführung in das Thema und führte dazu Beispiele aus Tanach und Midraschim an. So wurde das Thema umfassend aus jüdischer Sicht beleuchtet. Der Rabbiner verdeutlichte die Zusammengehörigkeit der Bestandteile des Mischwortes „Jewcology“: nachhaltig, jüdisch und ökologisch.
„Wir freuen uns darüber, dass unter den Besuchern Multiplikatoren sind, die das hier vermittelte Wissen in ihren Gemeinden weitergeben können“, sagte Nadiya Dorokhova vom ECOLOG-Institut. Sie füllte zwei große Programmpunkte an diesem Tag mit Wissenswertem. Zunächst ging es um die „Energienutzung in der Gemeinde“, darunter um die Senkung der Stromkosten und eine Verringerung des Energieverbrauchs bei Multimediageräten. Die Referentin konnte dazu auf neueste Erkenntnisse verweisen, die in ihrem Institut zu diesen Themen vorliegen. Ein weiterer Abschnitt ihres Vortrages war dem Energiesparen an und in Gebäuden gewidmet, etwa durch energiesparendes Heizen und Lüften, und der Vermeidung von Schimmelbildung. „Wir zeigen den Besuchern hier neue technische Entwicklungen“, erklärte Nadiya Dorokhova. Gerade bei den im Haushalt verwendeten Leuchtmitteln gibt es immer wieder neue Entwicklungen. Hier konnte die Vortragende ihrem Publikum die LED-Technik als „effizienten Alleskönner“ vorstellen, der bis zu 80 Prozent Energie einsparen kann.
Über das Interesse im Publikum zeigte sich die Referentin zufrieden. „Es kamen sehr interessante Fragen. Ich konnte hier etwas Wissenswertes vermitteln.“ Dieses Wissen nehmen die Teilnehmer mit in ihre Gemeinden und können es dort weitergeben. „Auch bei den Induktionsherden gab es im Publikum Informationsbedarf“, erkannte Nadiya Dorokhova, und auch in diesem Punkt konnte sie den Fragestellern mit Tipps und Informationen weiterhelfen. Zu den meisten Themen lag zudem reichlich Informationsmaterial zum Mitnehmen auf Deutsch und auf Russisch aus.
Nach dem Mittagessen verschob sich die Themenstellung des Tagesseminars mehr in Richtung Hauswirtschaft. Auch hier trug Nadiya Dorokhova Wissenswertes vor. „Umweltverträgliche und gesunde Küche“ war dieser Teil des Tages überschrieben. Wichtig war dabei nicht zuletzt das Thema „Abfallvermeidung und Abwaschen/Putzen ohne schädliche Chemikalien“. Eher in Richtung gesunde Küche gingen die Themen „Fleischkonsum und pflanzliche Nahrung“ sowie „Regionale und saisonale Produkte“. Bei diesen Punkten spielten nachhaltige Aspekte eine wichtige Rolle, und auch die gesunde Ernährung rückte dabei in den Mittelpunkt des Interesses. Natürlich lässt sich gesundes Essen mit den Anforderungen der Kaschrut in Übereinstimmung bringen.
Eingebettet war diese Veranstaltung in ein Bildungsprogramm, das bei der ZWST angesiedelt ist und von Januar 2014 bis Juni 2015 läuft. Es wird mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und des Jüdischen Nationalfonds (KKL) gefördert. Dieses Programm ruht auf drei Säulen: Umweltbildung für Lehrer und Erzieher in jüdischen Schulen und Kindergärten, Seminare für umweltgerechte und koschere Ernährung sowie ökologische Betriebsführung für Mitarbeiter in jüdischen Gemeinden. Dem dritten Part des Programms war die Tagesveranstaltung in Rostock zugeordnet.
Die Jüdische Gemeinde in Rostock bot mit dem großen komfortablen Veranstaltungsraum ebenso wie mit ihrer Gastfreundschaft gute Bedingungen für das Seminar. So konnte auch Hauptrednerin Nadiya Dorokhova eine überaus positive Bilanz der Veranstaltung ziehen.