15. Jahrgang Nr. 5 / 29. Mai 2015 | 11. Siwan 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Bayern

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, wurde im Amt des Präsidenten des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, das er bereits seit 13 Jahren ausübt, für eine weitere Amtszeit von vier Jahren bestätigt. Dem Landesverband gehören zwölf jüdische Kultusgemeinden mit insgesamt knapp 9000 Mitgliedern an, darunter auch Dr. Schusters Heimatgemeinde in Würzburg, nicht aber die separat aufgestellte Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Berlin

Das Jüdische Museum Berlin will 2019 ein Kindermuseum eröffnen. Das neue Museum soll sich biblischer Thematik widmen. Die Grundfinanzierung, so das Museum, sei von seinem Stiftungsrat, dem Vertreter von Bund und Land angehören, gesichert, es würden aber noch private Sponsoren gesucht. Das Kindermuseum soll in der gegenüber dem Hauptmuseum gelegenen, vom Architekten Daniel Libeskind umgebauten früheren Blumengroßmarkthalle unterkommen. In einer Hälfte des Gebäudes ist die Museums-Akademie mit Bibliothek, Archiv und Veranstaltungsräumen untergebracht. Die andere Hälfte steht bisher leer. Das Jüdische Museum empfängt jedes Jahr rund 700.000 Besucher und gehört zu den erfolgreichsten Museen in Berlin.

Hamburg

In Hamburg weihte der Erste Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz, ein Denkmal zur Erinnerung an die sogenannten Kindertransporte ein. Mit den nach der Reichskristallnacht vom 9. November 1938 organisierten Transporten konnten mehr als 10.000 jüdische Kinder 1938 und 1939 Nazideutschland verlassen. Das Hamburger Denkmal wurde vom israelischen Bildhauer Frank Meisler entworfen und heißt „Der letzte Abschied“. Meisler selbst konnte im August 1939 seine Geburtsstadt Danzig verlassen und kam mit einem Kindertransport nach London. Seine Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Kindertransport-Denkmäler gibt es bereits in Berlin, in Danzig, in Hoek van Holland und in London.

Franken

Das genaue Geburtsdatum des berühmten Rabbiners Meir ben Baruch von Rothenburg, nach seinem hebräischen Namenskürzel auch Maharam genannt, steht zwar nicht einwandfrei fest, doch wird es zumeist um das Jahr 1215 datiert und würde sich demnach 2015 zum 800. Mal jähren. Dies nehmen 14 Städte in Franken – der Talmudgelehrte hatte vier Jahrzehnte im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber gelebt – zum Anlass, das jüdische Leben in ihrer Region zu beleuchten und in den Vordergrund ihres touristischen Angebots zu stellen. Unter anderem zeigen Museen in Bamberg und Würzburg neue Ausstellungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinschaft. In Fürth bietet das Jüdische Museum Franken, zu dem ein Ritualbad im Keller und eine historische Laubhütte im Dachgeschoss gehören, ebenfalls historische Einblicke. Bayreuth wiederum saniert seine Barock-Synagoge und baut ein jüdisches Kulturzentrum. Franken war lange ein wichtiges Zentrum jüdischer Kultur und brachte im Lauf von fast 1000 Jahren eine Reihe großer Gelehrter hervor.

Ehrenbürger

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hat den ehemaligen Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, W. Michael Blumenthal, zum Ehrenbürger der Bundeshauptstadt ernannt. Blumenthals Lebensleistung, so Müller, habe zu der heute festen Verankerung des jüdischen Lebens in Berlin beigetragen. Der in Berlin aufgewachsene Blumenthal konnte mit seiner Familie im Jahr 1939 aus Nazideutschland flüchten. In den Jahren 1977 bis 1979 war er US-Finanzminister. Von 1997 bis 2014 leitete er das Jüdische Museum in Berlin.

Medaille

Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hat dem Erziehungswissenschaftler und Judaisten Professor Micha Brumlik die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Die Auszeichnungszeremonie findet zu Beginn der Woche der Brüderlichkeit am 6. März 2016 statt. Brumlik, so der Koordinierungsrat, habe dem gegenseitigen Verständnis von Juden und Christen wesentliche Impulse gegeben.

Dresden

Zu der Spende von Frau Thea Katz zugunsten bedürftiger Gemeindemitglieder in Dresden (s. letzte Ausgabe der „Zukunft“) gab die Jüdische Gemeinde zu Dresden folgende Erklärung ab: „Frau Thea Katz hat 25.000 Euro als Stiftungskapital in die damit neuerrichtete Kantor Josef und Helene Herzberg Stiftung eingebracht. Das Stiftungskapital darf nicht angetastet werden und wurde konservativ angelegt. Ausgezahlt werden an Bedürftige können nur die Zinserträge des Stiftungskapitals und weitere Spenden, die gerne entgegengenommen werden.“ Weitere Informationen zur Kantor Josef und Helene Herzberg Stiftung finden sich auf der Homepage der Jüdischen Gemeinde zu Dresden unter Infos (www.jg-dresden.org).