15. Jahrgang Nr. 5 / 29. Mai 2015 | 11. Siwan 5775

Großer Dank

Der Zentralrat der Juden in Deutschland ehrte jüdische Veteranen des Zweiten Weltkrieges

Am 8. Mai 2015, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa, fand im Berliner Centrum Judaicum eine Veranstaltung von herausragender Bedeutung statt: Mit einem Empfang und einem Festakt ehrte der Zentralrat der Juden in Deutschland jüdische Veteranen des Zweiten Weltkrieges: ehemalige Soldaten der Roten Armee, die heute in der Bundesrepublik leben.
Dass der Zentralrat und die jüdische Gemeinschaft als Ganzes jüdische Weltkriegsveteranen ehren, ist mehr als eine Formalie: Wie der Festakt deutlich zeigte, geht mit der Anerkennung des Beitrags, den jüdische Soldaten alliierter Armeen zum Sieg über Nazideutschland geleistet haben, auch ein tiefempfundener Dank einher. Das ist mehr als verständlich: Dass nach dem Zweiten Weltkrieg jüdisches Leben in Deutschland wiederaufgebaut werden konnte, ist auch ein Verdienst der Befreier, die unseren Kontinent vom Joch des Nazismus befreit haben.
Das brachte Zentralrats-Vizepräsident Markt Dainow, der eine Ansprache an die Veteranen richtete, denn auch klar zum Ausdruck. Sie hätten mit Mut und Selbstaufopferung einen enormen Beitrag zum Sieg geleistet. „Ohne zu wissen, ob Sie jemals Ihre eigenen Familien würden wiedersehen können“, so Dainow zu den Veteranen, „haben Sie anderen jüdischen Familien geholfen, sich wieder zu vereinen und in vielen Fällen auch am Leben zu bleiben. Sie haben ihnen eine Zukunft geschenkt. Sie haben das Weiterleben unseres jüdischen Volkes in Europa ermöglicht. Es gibt keine Worte, mit denen sich die Größe Ihres Heldentums angemessen beschreiben lässt.“
Barbara Traub, Präsidiumsmitglied des Zentralrats, erklärte beim Festakt, Erinnerung sei eines der wichtigsten Gebote des Judentums. Der Zentralrat wolle den heldenhaften Einsatz der Veteranen würdigen.
Das Gedenken an die Veteranen werde stets eine große Bedeutung haben, erklärte auch der Geschäftsführer des Zentralrats, Daniel Botmann. Rabbiner Jonah Sievers von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sprach von einem Freudentag und Tag des Stolzes und fügte an die Veteranen gewandt hinzu: „Wenn Unrecht geschieht, dürfen wir nicht wegschauen. Sie haben damals nicht weggeschaut.“ Sievers betete auch das Totengedenkgebet El Male Rachamim.
Mark Dainow, Barbara Traub, Zentralrats-Präsidiumsmitglied Milena Rosenzweig-Winter und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Gideon Joffe, überreichten den rund 60 anwesenden Veteranen Ehrennadeln des Zentralrats. Die besonders für diesen Tag entworfenen Ehrennadeln bestehen aus einem Stern, aus dem eine Flamme emporschießt.
Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Veteranen, Ghetto- und KZ-Gefangenen sowie der Überlebenden der Leningrader Blockade, Petro Feldman, nannte das Kriegsende einen heiligen Tag, der immer der Tag des Sieges bleiben werde. „Die Soldaten weinten vor Freude, sie tanzten und tranken auf den Sieg“, erinnerte er sich. Feldman erklärte, den Frieden zu hüten sei das Vermächtnis der Veteranen, und führte aus: „Wir appellieren an alle Staatsoberhäupter, an alle internationalen Organisationen, an Politiker und Diplomaten: Löst alle Probleme ohne Blutvergießen und ohne Waffengewalt.“
Einem zentralen Anliegen des Bundesverbandes, die Erinnerung an den Kampf jüdischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg auch an die kommenden Generationen weiterzureichen, wurde während des Festakts durch die Teilnahme einer Gruppe von Schülern des Berliner Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn Rechnung getragen. Zusammen mit dem Musiker Boris Rosenthal trugen sie den russischen Liedklassiker „Katjuscha“, „Tum Balalajka“ und das hebräische „Hewenu Schalom Alechem“ vor.

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