08.05.2015

„Sie sind unsere großen Vorbilder“

Ehrung jüdischer Veteranen zum 70. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus

Verbandsvorsitzender Petro Feldman (Mitte) nahm von Vizepräsident Mark Dainow und Präsidiumsmitglied Barbara Traub die Auszeichnung entgegen.

Zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus hat der Zentralrat der Juden in Deutschland jüdische Veteranen des Zweiten Weltkriegs geehrt. Beim Empfang am Freitag (8. Mai) im Centrum Judaicum in Berlin nahmen rund 80 Mitglieder des Bundesverbands der Veteranen, Ghetto- und KZ-Gefangenen sowie der Überlebenden der Leningrader Blockade Ehrennadeln und Urkunden entgegen. Das Gedenken an die Veteranen werde stets eine große Bedeutung haben, sagte der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, bei seiner Begrüßung.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Mark Dainow, betonte in seiner Rede den Mut der damaligen Kämpfer. „Sie waren es, die sich nicht damit abgefunden haben, dass ein brutales, antisemitisches Terrorregime noch mehr Unheil über Europa und unser Volk bringen wollte.“ 500.000 jüdische Soldaten hätten sich in der Roten Armee dem Kampf gegen die Nazis gestellt. Herr Dainow erwähnte auch jene, die sich dem Widerstand der Partisanengruppen angeschlossen hatten, sowie die Widerstandsgruppen in den Ghettos und Konzentrationslagern. „Sie alle sind und bleiben für immer unsere Helden und unsere großen Vorbilder“, sagte der Vizepräsident. 70 Jahre nach Kriegsende lasse sich jedoch wieder ein zunehmender Antisemitismus in Europa feststellen. „Wir werden es aber nie wieder zulassen, dass sich jüdische Menschen bedroht oder unsicher fühlen, nur weil sie Juden sind“, betonte Mark Dainow.

Barbara Traub, Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden, überreichte stellvertretend dem Vorsitzenden des Bundesverbandes, Petro Feldman, eine Ehrennadel und Urkunde. Erinnerung sei eines der wichtigsten Gebote des Judentums, betonte Frau Traub. Der Zentralrat wolle mit dieser Auszeichnung den heldenhaften Einsatz der Veteranen würdigen, die unter Einsatz ihres Lebens Europa vom Nationalsozialismus befreit hätten.

Petro Feldman nannte den 9. Mai einen heiligen Tag. „Die Soldaten weinten vor Freude, sie tanzten und tranken auf den Sieg“, erinnerte er. Solange noch Veteranen lebten, solange ihre Kinder und Enkel noch lebten und solange die Menschheit existiere, werde der 9. Mai der Tag des Sieges bleiben. Er appellierte an alle Anwesenden: "Hütet den Frieden!"

Neben Frau Traub und Herrn Dainow überreichten anschließend auch Milena Rosenzweig-Winter, Präsidiumsmitglied des Zentralrats, sowie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, die Ehrennadeln und Urkunden an die Veteranen.

Rabbiner Jonah Sievers von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sprach von einem Freudentag und Tag des Stolzes. „Wenn Unrecht geschieht, dürfen wir nicht wegschauen. Sie haben damals nicht weggeschaut“, würdigte er die Verdienste der Veteranen. Zum Abschluss der Feier betete Rabbiner Sievers das El Male Rachamim.

Musikalisch wurde der Empfang von Boris Rosenthal und Leo Ellenzweig sowie Schülern des Berliner Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn umrahmt.