5. Jahrgang Nr. 7 / 29. Juli 2005 - 22. Tamus 5765

Zum Geburtstag viel Glück

Lübeck feierte das 125-jährige Bestehen der Synagoge

Uli Pape

Bis 120 lautet der jüdische Geburtstagsgruß. Die Synagoge Lübeck ist fünf Jahre älter und wurde deshalb im Juni mit Festgottesdiensten und -veranstaltungen gebührend gefeiert. Charlotte Knobloch, Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, lobte das Gebäude: „Eine wunderschöne Synagoge. Die jüdische Gemeinde und auch die Lübecker können stolz darauf sein.“ Sie erinnerte sowohl an die Brandanschläge auf die Synagoge 1994 und 1995 als auch an die alte, jüdische Tradition,„immer wieder aufzubauen und neu zu beginnen“.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen gratulierte „von Herzen“. Die Mauern der Synagoge erinnerten an gute wie an schlechte Zeiten, sagte der Regierungschef. Die Anschläge Mitte der neunziger Jahre hätten Menschen in der ganzen Welt erschüttert. Viele hätten Angst gehabt. Heute sei dies anders. Die deutsch-jüdische Geschichte bestehe nicht nur aus Holocaust. „Wir wollen, dass sich jüdisches Leben in Lübeck, in Deutschland und überall frei entwickeln kann“, sagte Carstensen. Jeder Zuwanderer, der aus Osteuropa heute nach Lübeck oder nach Deutschland komme, vermittle Vertrauen in dieses Land.

Mit einem Appell an die Menschlichkeit erinnerte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe an den Lübecker Rabbiner Salomon Carlebach und den Dichter Emmanuel Geibel. Sie hatten zur Eröffnung der Synagoge gemeinsam gedichtet: „..der Bürger den Bürger, den Bruder nur schaut.“ Neunhundert Juden, die heute in Lübeck leben, sind „willkommener Teil in unserem kulturellen und religiösen Leben. Ich bin glücklich, dass die jüdische Gemeinde in Lübeck zu neuem Leben erwacht“, sagte Saxe. Toleranz und Mitmenschlichkeit seien jedoch kleine Pflänzchen, die täglicher Pflege bedürften.

Nach zwei Stunden Festreden nahm sich Rabbiner Yitzhak Ehrenberg ein Herz und sagte: „Liebe Leute, ich erzähle eine Anekdote von einer großen Feier. Viele Redner, es dauert und dauert, viele gehen, nur noch ein Redner und ein Gast sind im Saal. Fragt der Redner: Warum bleibst du als einziger? Sagt der Gast: Ich bin der nächste Redner.“ Ehrenbergs Anspielung erhielt viel Applaus.

Die Gäste genossen das Fest bei delikatem Büfett, israelischem Wein und guter Stimmung. Und Salomon Carlebach, der Enkel des Gründungsrabbiners der Synagoge, dankte im Namen seiner Familie dem Hauptorganisator der Feier, Benjamin Gruszka, sowie den Gemeindevorstandsmitgliedern Rolf Verleger und Claus Fink. „Sie haben soviel Zeit und Liebe in dieses Fest gesteckt, wir sind dankbar und glücklich.“

Dass das Fest gelingen möge, hoffte auch Bundespräsident Horst Köhler, der ein Grußwort zum Jubiläum nach Lübeck gesandt hatte. Darin heißt es: „Es freut mich von ganzem Herzen, dass Sie die Synagoge in Lübeck feiern. Ein solcher Festakt in einem jüdischen Gotteshaus ist eigentlich etwas Selbstverständliches, in Deutschland stellt es immer noch etwas Besonderes dar. Seien Sie versichert, dass ich an Sie denke und Ihnen eine schöne Feier wünsche.“