15. Jahrgang Nr. 4 / 30. April 2015 | 11. Ijar 5775

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Jajin (hebräisch): Wein.

Wein ist Bestandteil vieler kultischer, religiöser Zeremonien. Koscherer Wein unterscheidet sich nur dadurch von anderen Weinen, dass er von der Rebe bis ins Weinglas immer nur von gesetzestreuen Juden bearbeitet und berührt worden ist. Zunächst war Wein von Nichtjuden verboten, weil diese ihn bei ihren götzendienstlichen Handlungen benutzten. Dieser Wein wurde in jüdischen Kreisen „Jajin Nessach“ genannt.
Der Segen über den Wein, der Kiddusch, spielt bei der Heiligung des Schabbats und der Feiertage sowie bei der Trauung, der Beschneidung und anderen Lebenszyklusereignissen eine wichtige Rolle.
Damit Wein seinen koscheren Status behält, auch wenn ein Nichtjude, beispielsweise ein Kellner, die Flasche öffnet oder den Wein einschenkt, verlangen die Kaschrut-Gesetze, dass sich der Wein durch Erhitzen vom nichtkoscheren Wein unterscheidet, das heißt, er wird zu einem „Jajin Mewuschal“ (wörtlich: gekochter Wein). Somit wird der Wein symbolisch und mit Absicht „verdorben.“ Dennoch zeigen Untersuchungen, dass „Jajin Mewuschal“ sich im Geschmack nicht vom „normalen“ Wein unterscheidet. Ein „gekochter Wein“ behält seine religiöse Reinheit unabhängig davon, wer die Flasche öffnet oder den Wein einschenkt.