15. Jahrgang Nr. 4 / 30. April 2015 | 11. Ijar 5775

Die Start-up-Nation

Eine Kombination aus Wissen und Initiative hat Israel in die internationale Hightech-Elite katapultiert

Keine Geschichte, sondern Teil einer sehr lebendigen Gegenwart ist der israelische Hochtechnologiesektor. Von bescheidenen Anfängen in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wuchs die Hightech-Industrie des kleinen Landes zu einem gewichtigen Akteur auf der wissensintensiven Wirtschaftsbühne der Welt heran. Israel hat im internationalen Vergleich nicht nur die höchste Zahl von Start-up-Firmen pro Einwohner, sondern ist auch in absoluten Zahlen ein Gigant. Je nach Definition sind im Lande 3000 bis 6000 Start-ups tätig. Natürlich ist die Lebensdauer vieler Start-ups überall auf der Welt kurz, doch sorgen die jährlich rund 1000 Existenzgründungen im Technologiebereich dafür, dass Israel die Ideen für zum Teil bahnbrechende Erfindungen nicht ausgehen.
Hightech-Exporte sind ein Stützpfeiler des Wohlstands und des Wirtschaftswachstums. Im Jahr 2014 entfielen 20 Milliarden Dollar beziehungsweise 43 Prozent aller Warenexporte auf Hightech-Produkte. Fast genauso hoch wie die technologieintensive Warenausfuhr ist der Export von technologischen Dienstleistungen, vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung, aber auch von EDV-Diensten und Software-Entwicklung. 2013 lag dieser Exportposten bei knapp 16 Milliarden Dollar. Rund 260 ausländische Unternehmen unterhalten in Israel Forschungs- und Entwicklungszentren.
Für das einmalige Phänomen, für das sich der Begriff „Start-up-Nation“ eingebürgert hat, wurde schon oft nach einer schlüssigen Erklärung gesucht. Das hohe Niveau der Hochschulbildung ist dabei ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor. Hinzu kommt die hohe Zahl junger Israelis, die in der Armee unter herausfordernden Bedingungen einen technologieintensiven Dienst versehen und sich bei noch so großen Schwierigkeiten kein „Nein“ als Antwort leisten können. Ebenfalls zu Recht wird zudem auf die wissenschaftlich-technologische Kraftspritze verwiesen, die Israel durch die Masseneinwanderung aus der UdSSR beziehungsweise Ex-UdSSR in den siebziger und neunziger Jahren bekommen hat. Diese Einwanderer halfen in entscheidendem Maße, das heute so feste Fundament zu legen, und sind großenteils bis heute tätig. In dem einen oder anderen Maße kamen und kommen Technologietalente auch aus anderen Ländern der Welt in den jüdischen Staat.
Indessen ist das nur ein Teil der Antwort. Ohne einen stark ausgeprägten Willen, sich trotz aller Risiken nach oben durchzuschlagen, wäre die Start-up-Nation trotz des eindrucksvollen Fundus an Wissen und Erfindergeist nicht geboren worden. Damit stehen die Israelis wohl auch heute in der Tradition ihrer Vorfahren, die es geschafft hatten, mit einer Kombination aus Intellekt und Unternehmungsfreude in die Elite aufzusteigen.

wst