15. Jahrgang Nr. 4 / 30. April 2015 | 11. Ijar 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Hannover

Ende März stattete der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, Daniel Botmann, dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen einen Besuch ab. Botmann traf mit dem Vorsitzenden des Landesverbands, Michael Fürst, zusammen.
In Hannover besuchte der Geschäftsführer des Zentralrats auch das Jüdisch-Bucharisch-Sefardische Zentrum Deutschland, wo er unter anderem vom Vorsitzenden des Zentrums, Mikhail Davydov, dessen Stellvertreter Roben Motaev, dem Berater der Gemeinde, Michael Krebs, sowie dem Vorstandsmitglied Uhanu Motaev begrüßt wurde. Nach einem Besuch der Synagoge führten der Geschäftsführer des Zentralrats und seine Gastgeber ein Gespräch über die Entstehungsgeschichte, die Tätigkeit und die Zukunftspläne des Zentrums, zu denen der Bau eines Kindergartens und einer Mikwe gehören.
Dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachen gehören dreizehn Gemeinden mit insgesamt rund 7000 Mitgliedern an. Sieben weitere Gemeinden in dem Bundesland sind Mitglied im liberalen Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen.

Mecklenburg-Vorpommern

Rabbiner Yuriy Kadnykov hat seinen neuen Rabbinerposten in Mecklenburg-Vorpommern angetreten. Er betreut die beiden dem Landesverband angehörenden jüdischen Gemeinden in Schwerin und Rostock. Der in der Ukraine geborene Kadnykov ist seit 2011 in Deutschland als Rabbiner tätig.
Seine Berufung folgte dem teilweisen Rückzug von Landesrabbiner William Wolff aus dem aktiven Berufsleben. Rabbiner Wolff, 88, wird den Titel des Landesrabbiners behalten und ehrenamtlich tätig sein. Damit repräsentiert er die Gemeinden weiterhin nach außen. Nach eigenem Bekunden möchte Wolff noch bis zu seinem 90. Geburtstag aktiv sein.

Nordrhein

Der bisherige Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, Michael Rubinstein, tritt zum 1. Juli das Amt des Geschäftsführers des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein in Düsseldorf an. Rubinstein war ein Jahrzehnt lang Geschäftsführer der Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen und betätigte sich über diese Position hinaus auch in der Duisburger Stadtpolitik; 2012 war er parteiloser Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters.
Rubinsteins Nachfolge in der Jüdischen Gemeinde übernimmt Alexander Drehmann. Der 36-jährige Drehmann ist 1994 aus der Ukraine nach Deutschland gekommen und hat seit 2010 als Büroleiter der Jüdischen Gemeinde Aachen gearbeitet.

München

Die Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom hat das 20. Jubiläum ihrer Gründung begangen. Die Gemeinde zählt gegenwärtig rund 400 Mitglieder. Die Gründung der Gemeinde erfolgte am 17. März 1995.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und des Landesverbandes Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern, Dr. Josef Schuster, gratulierte der Gemeinde aus Anlass des Jubiläums. Er hob hervor, das Judentum habe sich in seinen verschiedenen Ausrichtungen in Deutschland und in Bayern etabliert. Im Namen der Israelischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gratulierte Vorstandsmitglied Dr. Abi Pitum. Jan Mühlstein, Vorsitzender von Beth Shalom, bekräftigte aus Anlass des Jubiläums den Wunsch der Gemeinde nach einer eigenen Synagoge.

Dresden

Thea Katz, eine in Dresden geborene, heute in den USA lebende Jüdin, hat 25.000 Euro zur Unterstützung bedürftiger Mitglieder der heutigen jüdischen Gemeinde in der Stadt gestiftet. Es gibt Überlegungen, einen Teil der Mittel unmittelbar an bedürftige Empfänger auszuzahlen und einen weiteren Teil in eine größere Stiftung einfließen zu lassen.
Thea Katz wurde 1930 geboren. Ihre Eltern wurden während des Holocausts ermordet, während sie und ihre beiden Geschwister überlebten.

Dialog

Das christlich-jüdische Verhältnis hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verbessert. Dieses Fazit zogen Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland und der Allgemeinen Rabbinerkonferenz bei einem Treffen im März in Ludwigshafen.
Zu den positiven Entwicklungen zählten die Gesprächspartner die stabilen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Kirchenleitungen und Vertretern jüdischer Organisationen, die sich auch in konflikthaften Phasen bewährt hätten. Gewürdigt wurde auch die Arbeit der mehr als 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
Künftig komme es unter anderem darauf an, betonten die Teilnehmer, die Erkenntnisse aus dem christlich-jüdischen Dialog noch stärker zu verbreiten und in der Theologenausbildung zu verankern. Vor allem müsse die jüngere Generation für eine Zusammenarbeit gewonnen werden. Hier könnten beispielsweise gemeinsame soziale Projekte attraktiv sein.