15. Jahrgang Nr. 3 / 27. März 2015 | 7. Nissan 5775

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Jahrzeit (deutsch), Johrzeit (jiddisch)

Darunter versteht man den nach dem jüdischen Kalender errechneten Todestag eines nächsten Angehörigen 1. Grades wie Vater, Mutter, Kind, Gatte beziehungsweise Gattin, Bruder und Schwester. Das deutsche Wort „Jahrzeit“ haben die aus Deutschland im Mittelalter ausgewanderten oder vertriebenen Juden fast in alle Länder getragen, in das sie ihr Schicksal führte. „Johrzeit“ ist auch im Hebräischen anzutreffen.
Zum Todestag zünden die Kinder oder andere nächste Angehörige des Verstorbenen als pietätvolle Erinnerung Gedenklichter an. Volkstümlich werden diese auch „Jahrzeitlichter“ genannt. Ein Jahrzeitlicht ist eine Kerze, die 24 Stunden lang brennt. Es gibt aber auch Jahrzeitkerzen, deren Flamme zwei oder sogar drei Tage lang hält.
Das Anzünden der Jahrzeitlichter soll wahrscheinlich verdeutlichen, dass das Lebenslicht zwar erloschen ist, aber die Seele weiterhin leuchtet. Den Hintergrund bildet der Spruch, demzufolge die Seele des Menschen ein Licht G’ttes ist. Neben dem Gedenklicht-Entzünden gehört zum Jahrzeittag auch das dreimalige Rezitieren des Kaddisch-Gebetes während der G’ttesdienste.