15. Jahrgang Nr. 3 / 27. März 2015 | 7. Nissan 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Stuttgart

Der ehemalige Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) und Ex-Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland Meinhard Tenné wurde mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die baden-württembergische Ministerin im Staatsministerium Silke Krebs, die Tenné die Auszeichnung überreichte, würdigte ihn als einen bewundernswerten Zeitzeugen und Brückenbauer sowie einen Vertreter eines jüdisch verwurzelten Humanismus. Der gebürtige Berliner Tenné, Jahrgang 1923, war im Alter von 15 Jahren mit seinem Vater aus Nazi-Deutschland in die Schweiz geflüchtet. Seine Mutter und seine Schwester wurden in Ausch­witz ermordet. Später lebte Tenné in Israel und diente bis 1958 bei der israelischen Armee. Im Auftrag der israelischen Regierung baute er in den sechziger Jahren das israelische Tourismusamt in Deutschland auf. Im Jahr 1970 zog er mit seiner Frau Inge Tenné nach Stuttgart, wo er sich neben der Tätigkeit in der IRGW auch im interreligiösen Dialog engagierte.

Einschätzung

Der Zentralrat der Juden in Deutschland teilt die Einschätzung der Bundesregierung, dass es in Deutschland keine allgemeine Gefahr für Juden gibt, die sich in der Öffentlichkeit als Juden zu erkennen geben. Das erklärte der Präsident des Zentralrats, Dr. Josef Schuster, gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“. Allerdings bekräftigte Dr. Schuster seine Einschätzung, Gefährdungen könne es in einzelnen Stadtvierteln, vor allem in den Großstädten, geben.
Der Zentralratspräsident ging ferner auf die Erklärung der Bundesregierung ein, antisemitische Aussagen, Tendenzen oder Slogans unter Mitgliedern beziehungsweise Funktionären der AfD und der Pegida seien dem Kabinett nicht bekannt. Hierzu erklärte Dr. Schuster: „Antisemitismus bei Teilen von Pegida und Mitgliedern der AfD mussten wir im Gegensatz zur Bundesregierung in der Vergangenheit sehr wohl feststellen.“ Einige Äußerungen oder Karikaturen auf Facebook seien öffentlich bekannt geworden. Insofern sei die Feststellung der Bundesregierung nicht nachvollziehbar.
Dr. Schuster erklärte auch, die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige, dass antisemitische Übergriffe häufig von jungen Muslimen verübt worden seien. Allerdings fügte er hinzu: „Mit dieser Feststellung wollen wir nicht ausblenden, dass sehr viele antisemitische Straftaten von Rechtsextremisten verübt werden.“

Orden

Der Rektor des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs, Rabbiner Professor Walter Homolka, wurde von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Der Orden wurde Rabbiner Homolka vom Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, überreicht. Mit dem Bundesverdienstkreuz wird Homolkas Engagement für den Aufbau des Abraham Geiger Kollegs gewürdigt.

Düsseldorf

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat beschlossen, den aus Ägypten stammenden Politologen Hamed Abdel Samad und den israelisch-arabischen Psychologen Ahmed Mansour mit der diesjährigen Josef-Neuberger-Medaille auszuzeichnen. Die nach dem ehemaligen NRW-Justizminister Josef Neuberger (1902–1977) benannte Auszeichnung wird nichtjüdischen Persönlichkeiten verliehen, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Abdel Samad und Mansour werden für ihren Einsatz für Toleranz und gegen den Antisemitismus geehrt. Die Verleihung findet im Oktober statt.

Berlin

Rabbiner Tovia Ben-Chorin hat nach sechsjähriger Tätigkeit in Berlin die Position des Gemeinderabbiners im schweizerischen Sankt Gallen angenommen. Der liberale Rabbiner, der in der Berliner Synagoge Pestalozzistraße amtierte, tritt seine neue Stelle im Sommer an. In Berlin engagierte sich Rabbiner Ben-Chorin, über seine Aufgaben in der Jüdischen Gemeinde hinaus, auch in hohem Maße im interreligiösen Dialog.