15. Jahrgang Nr. 2 / 27. Februar 2015 | 8. Adar 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Gedenken

Der Besuch einer KZ-Gedenkstätte sollte für alle Schüler in Deutschland ab der neunten Schulklasse verpflichtend sein. Dafür hat sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung ausgesprochen. Dr. Schuster forderte alle Bundesländer, in denen dies noch nicht der Fall sei, dazu auf, eine solche Bestimmung einzuführen. Dies würde dazu beitragen, dass das Thema Holocaust an den Schulen präsent bleibe. „Theorie und Unterricht“, so der Zentralratspräsident, „sind schließlich die eine Sache, das konkrete Erleben vor Ort, die plas­tische Anschauung die andere.“

Feierlichkeiten

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird sich an der Planung der vom Bundesverband der Veteranen, Ghetto- und KZ-Gefangenen sowie der Überlebenden der Leningrader Blockade geplanten Feiern zum 70. Jahrestag des Sieges über das „Dritte Reich“ beteiligen. Dies wurde zwischen den beiden Organisationen vereinbart. Die Feierlichkeiten des Bundesverbandes sind für den 9. Mai geplant. Im Dezember waren Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster und Präsidiumsmitglied Barbara Traub Gäste bei einem Seminar des Verbandes zur Vorbereitung der Siegesfeiern. Sie besuchten auch eine vom Bundesverband zusammengestellte Ausstellung, bewerteten sie positiv und empfahlen ihre Präsentation in deutschen Städten.

Darmstadt

Moritz Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen und Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, wurde von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch mit der Silbernen Verdienstplakette der Stadt ausgezeichnet. Damit wurden Neumanns Verdienste um die Verständigung zwischen den Religionen und um das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Darmstadt gewürdigt. Bei der Verleihungsfeier führte Partsch unter anderem aus: „Moritz Neumann ist mehr als nur ein verdienter und engagierter Bürger unserer Stadt. Er ist Kopf, Herz und Seele der Jüdischen Gemeinde Darmstadts, die wiederum ein wichtiger Bestandteil unserer Stadtgesellschaft ist. Nicht nur als Journalist und Kommunalpolitiker hat er sich immer wieder zu Wort gemeldet; vor allem, wenn es darum ging, zu den wichtigen Fragen unserer Zeit klare Standpunkte zu beziehen und sie auch von anderen einzufordern. Neumann ist ein streitbarer Demokrat und eine moralische Instanz.“

Mainz

Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky, bis vor kurzem in Düsseldorf tätig, ist seit Anfang Februar der neue Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Mainz. Das teilte Gemeindevorsitzende Stella Schindler-Siegreich beim Mainzer Neujahrsempfang der Religionen am 6. Februar mit. Rabbiner Vernikovsky erklärte, er habe der Position in Mainz den Vorzug vor dem Angebot gegeben, als Rabbiner in München tätig zu werden. Seine Entscheidung begründete er mit dem Umstand, in Mainz eine überschaubare Gemeinde zu betreuen, um die er sich intensiver kümmern könne, als dies bei einer Großgemeinde möglich wäre.

Kassel

In Kassel entsteht ein jüdisches Museum. Das Projekt geht auf die private Initiative der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde der Stadt, Ilana Katz, zurück. Katz, zugleich Inhaberin eines Pflegedienstes, hat im vergangenen Jahr das Gebäude der katholischen Fortbildungsstätte Haus St. Michael erworben, um dort eine multikulturelle Tagespflegestätte einzurichten. Im Obergeschoss plant die Gemeindevorsitzende die Errichtung eines von ihr zu finanzierenden „Zentrums für jüdisches Leben in Kassel“. Auf 480 Quadratmetern soll dort eine Ausstellung zur jüdischen Geschichte und Gegenwart in der Stadt entstehen. Ziel des Projekts ist es, die Stadtbürger mit dem jüdischen Leben nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart vertraut zu machen. Das neue Museum will unter anderem Führungen für Schulklassen und Gruppen anbieten. Die Eröffnung wird für das Frühjahr erwartet.