15. Jahrgang Nr. 2 / 27. Februar 2015 | 8. Adar 5775

Historisches Verdienst

Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster würdigte den verstorben Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker

Ende Januar ist der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Alter von 94 Jahren in Berlin verstorben. Der christdemokratische Politiker bekleidete das Amt des Bundespräsidenten in den Jahren 1984 bis 1994. Zum wichtigsten Moment seiner politischen Laufbahn wurde seine Rede zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa am 8. Mai 1985. Darin erklärte von Weizsäcker: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Mit den Worten „Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen“ verwies er auch auf den Zusammenhang zwischen der Machtergreifung durch die Nazis und den NS-Verbrechen auf der einen sowie der deutschen Niederlage und den Kriegsfolgen für Deutschland auf der anderen Seite hin. Die Rede ebnete den Weg für von Weizsäckers Israel-Besuch im Oktober 1985, den ersten Besuch eines deutschen Staatsoberhaupts im jüdischen Staat.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, erklärte zum Tode des Altbundespräsidenten: „Richard von Weizsäcker war eine herausragende Persönlichkeit. Wir trauern um ihn und sprechen seiner Familie unser tiefes Mitgefühl aus. Sein Tod ist ein großer Verlust für das ganze Land. Vor allem mit seiner historischen Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes hat er Maßstäbe gesetzt. Das Kriegsende als ‚Tag der Befreiung‘ zu kategorisieren, sprach vor allem der jüdischen Gemeinschaft aus tiefstem Herzen. Richard von Weizsäcker stieß damit eine Reflexion über den Nationalsozialismus an, die in neue, bis heute gültige Sichtweisen mündete. Damit hat er befreiend für die ganze Gesellschaft gewirkt. Diese Verdienste würdigte der Zentralrat der Juden in Deutschland, indem er 1994 Richard von Weizsäcker den Leo-Baeck-Preis verlieh. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.“

zu