10.12.2014

Tiefe Trauer über den Tod von Ralph Giordano sel. A.

Ralph Giordano

Mit Trauer und Bestürzung hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Nachricht vom Tode Ralph Giordanos aufgenommen. Ralph Giordano beobachtete ab 1958 die Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher für den Zentralrat der Juden und arbeitete bis zuletzt als Autor für die „Jüdische Allgemeine“ (früher „Allgemeine Jüdische Wochenzeitung“).

Trotz seiner furchtbaren Erlebnisse während der NS-Zeit hatte sich Ralph Giordano nach dem Krieg entschieden, in Deutschland zu bleiben. Er befasste sich kritisch mit den braunen Kontinuitäten in der Bundesrepublik und prägte den signifikanten Begriff der „zweiten Schuld“. Zugleich versuchte er stets, Brücken zu schlagen und Gräben zuzuschütten. Seine Erfahrungen aus der Zeit der Verfolgung machten ihn zu einem unermüdlichen Mahner für Zivilcourage und Demokratie. Dieses Engagement würdigte der Zentralrat der Juden 2003 mit dem Leo-Baeck-Preis.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, erklärte:

„Ralph Giordano sel. A. war ein großer Publizist und brillanter Analytiker. Seine Stimme wird uns in der jüdischen Gemeinschaft und darüber hinaus in der ganzen Gesellschaft fehlen. Ralph Giordano hat seine Meinung auch dann unmissverständlich formuliert, wenn es unbequem war. Seine Beiträge waren zugleich stets von einem hohen Maß von Menschlichkeit gekennzeichnet. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“

Berlin, 10. Dezember 2014 / 18. Kislew 5775