14. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2014 | 8. Kislew 5775

Gesucht – Gefunden!

Die multimediale Ausstellung des Jüdischen Museums der Schweiz wirft einen liebevollen Blick auf Partnerschaft und Liebe im Judentum

Von Judith Wipfler

Im Innenhof des Jüdischen Museums Basel kommen die Besucherinnen und Besucher in den „Garten der Liebe“: ein passendes Motiv für die Ausstellung des Jüdischen Museums der Schweiz in Basel, deren Thema Partnersuche und Liebe im Judentum sind. Ein Garten mit Granatäpfeln und Blumen, leitet Museumsleiterin Dr. Gaby Knoch-Mund ein, stehe nicht nur am Anfang der Bibel mit dem ersten Paar Adam und Eva, der Garten sei auch häufig der romantische Ort des ersten Kennenlernens. Mit einer kleinen Gartenbroschüre in der Hand können die Besucher die Ausstellung entdecken und werden dabei auf sehr persönliche Fragen angesprochen: Wie stelle ich mir meinen Partner vor, welche Werte leiten mich dabei?
Wenn dann jüdische Paare in Hörstationen und Filmen berichten, wie ihre Ehe gelingt, kommen sie natürlich auf Werte zu sprechen wie Respekt, die Fähigkeit zum Zuhören, Geduld oder auch einfach „lieb sein miteinander“. Das sind, versteht sich, allgemeinmenschliche Aussagen, sind doch Liebe und Partnerschaft auch im Judentum so unterschiedlich nicht. Allerdings sind die jüdischen Traditionen und Rituale schon besonders. So etwa wird nur die jüdische Ehe unter einem Traubaldachin (Chuppa) geschlossen. Auch gibt es schon seit dem Mittelalter den – kunstvoll geschriebenen – Ehevertrag (Ketuba), der die Frau absichern soll, falls es zu einer Scheidung (Get) kommt. Auch vom Scheitern einer Ehe erzählt diese Ausstellung, aber das Glück überwiegt.
Aus ihrer Minderheitensituation heraus mussten sich Jüdinnen und Juden meist etwas weiter umschauen, um einen jüdischen Partner zu finden. Bis heute hilft dabei der Schadchen oder die Schadchente – also professionelle jüdische Heiratsvermittler. Karikaturen aus dem 19. Jahrhundert zeigen, wie schwer dieser Job schon immer war, weil die jungen Damen nicht nur das Recht hatten, Heiratskandidaten abzulehnen, sondern dies auch fleißig taten. „Sie will ihn nicht!“ steht unter einer Karikatur, auf der die Eltern des Mädchen recht verzweifelt wirken.
Für die Ausstellung haben jüdische Schweizer Familien auch private Gegenstände, Fotos und Briefe beigesteuert, darunter etwa das Schreiben eines Schadchens aus den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts, der die Karriereaussichten seines Kandidaten, eines Akademikers, ebenso anpries wie dessen gesellschaftliches Niveau. Die umworbene Dame wurde dann jedoch mit einem anderen Mann lebenslang glücklich.
Heute finden sich auch viele jüdische Paare online. Gleich mehrere jüdische Partnerbörsen stehen im Netz, von Simantov bis JDate. Sie veranstalten auch Partys und Ski-Wochenenden, wo sich jüdische Jugendliche ungezwungen kennenlernen können. Schließlich wünschen sich auch nichtorthodoxe und nichtreligiöse Jüdinnen und Juden oft einen jüdischen Partner. Da gebe es mehr Gemeinsamkeiten und keine Grundsatzdiskussionen über Essen, Feiertage oder Beschneidung, erklärt eine junge Frau. Tatsache in der Schweiz ist aber, dass die Hälfte der jüdischen Einwohner nichtjüdisch heiratet. Damit steht die Eidgenossenschaft bekanntlich nicht allein. Gaby Knoch-Mund geht mit diesen Veränderungen offen um und zeigt auch alternative Ehe- und Lebensmodelle. Die Gesellschaft sei insgesamt im Wandel, nicht zuletzt was die Rollenbilder von Mann und Frau angehe, das sei auch im Judentum nicht anders, sagt sie. Darum stünden in den Vitrinen Barbie-Puppe und Ken stellvertretend für Mann und Frau, um die Klischees ironisch zu brechen.
In den kleinen Räumen des Baseler Museums kann man Stunden verbringen, den Lebensberichten orthodoxer Paare wie liberaler Familien lauschen und Filme betrachten. Ein alter Stummfilm zeigt, wie jüdische Bräute hoffnungsfroh ein Schiff nach Amerika bestiegen, und der Dokumentarfilm „Matchmaker. Auf der Suche nach dem koscheren Mann“ von Gabrielle Antosiewicz (2005) beschreibt humorvoll den Wunsch der modernen jüdischen Frau, ihre Sehnsucht nach romantischer Liebe mit dem Jüdischsein zusammenzubringen.
Das Museum brilliert mit seinen Sammlungsstücken, seien es kostbare Hochzeitsringe und Hochzeitsverträge aus mehreren Jahrhunderten, aktuell noch ergänzt mit wertvollen Exponaten aus Padua, Amsterdam und Kalkutta aus der Sammlung von René Braginsky. Besonders herzerwärmend sind aber die vielen privaten Leihgaben: ein Verlobungs-Buch von 1907 aus Brugg mit Gratulationskärtchen, das ein „Who is who“ der damaligen Schweizer jüdischen Gesellschaft darstellt. Auf vielen Familienfotos strahlen die Paare: Gesucht – gefunden!
In dem Begleitbuch zur Ausstellung wird auch den gegenwärtigen Diskussionen zu interreligiösen Ehen, Homosexualität und Genderfragen nicht aus dem Weg gegangen. Dass Partnerschaften aber nicht erst heute auch Probleme mit sich bringen, macht Eva Lezzi in ihrem Beitrag über jüdische Liebesliteratur deutlich. Er heißt schlicht: „Liebe ist kompliziert.“
Die Ausstellung „Gesucht – Gefunden. Liebe und Partnerschaft im Judentum“ läuft mindestens bis Juli 2015 im Jüdischen Museum der Schweiz in Basel: www.juedisches-museum.ch.