14. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2014 | 8. Kislew 5775

Aramäer

Israel erkennt die aramäische Minderheit als eigenständige Volksgruppe an

Der Staat Israel hat die Aramäer – Nachfahren der semitischen Bevölkerungsgruppe, die bereits in der Spätbronzezeit den Nahen Osten bewohnte und auch im Tanach erwähnt wird – als eine eigenständige Volksgruppe anerkannt. Laut einer kürzlich vom Innenminister unterzeichneten Verordnung können sich Angehörige der aramäischen Minderheit im Bevölkerungsregister in der Rubrik „Volkszugehörigkeit“ als Aramäer eintragen lassen – müssen es aber nicht. Bisher waren sie automatisch als Angehörige der arabischen Volksgruppe registriert. Nach israelischem Recht wird die Volkszugehörigkeit der Bürger amtlich erfasst.
Wie der (inzwischen zurückgetretene) Innenminister Gideon Sa’ar in seiner Entscheidung ausführte, „ist die Tatsache der Existenz eines aramäischen Volkes, das die laut der Rechtsprechung für den Nachweis der Existenz eines Volkes erforderlichen Bedingungen, einschließlich historischer Tradition, Religion, Kultur, Abstammung und gemeinsamer Sprache, erfüllt, offenkundig“. Mit der Entscheidung kam Israel der seit Jahren vorgetragenen Initiative einer Gruppe aramäischer Aktivisten nach. Nach Auffassung dieser Aktivisten gehören die Aramäer neben den Juden zu den Völkern, die bereits vor der Ankunft der Araber im Lande lebten.
In der Praxis dürfte der Nachweis der aramäischen Volkszugehörigkeit hauptsächlich auf die Zugehörigkeit zu einer christlichen Ostkirche hinauslaufen, die in der Liturgie Aramäisch verwendet. Die Zahl der Aramäer, die auch im Alltag noch Aramäisch sprechen, ist sehr begrenzt. Aramäer leben in vielen Ländern des Nahen Ostens, aber auch in Übersee, darunter in Deutschland.
Die praktische Bedeutung der Neuregelung ist bisher überschaubar. Laut Medienberichten wurden zwar einzelne Berechtigte beim Bevölkerungsregister vorstellig, um sich als Aramäer eintragen zu lassen, doch erklärte das israelische Bevölkerungsregisteramt im November gegenüber der „Zukunft“, seines Wissens sei bisher keine entsprechende Eintragung vorgenommen worden. Arabische Nationalisten, darunter auch israelfeindliche Knesset-Abgeordnete, haben die Entscheidung unterdessen als einen Versuch verurteilt, die arabische Bevölkerung in Israel „zu spalten“ – dies, obwohl die Anerkennung des aramäischen Volkes auf Wunsch Betroffener zustande kam und die Anmeldung als Aramäer strikt freiwillig ist.

wst