14. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2014 | 8. Kislew 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Gratulation

Der scheidende Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, hat dem neuen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Heinrich Bedford-Strohm, zur Wahl gratuliert. Bedford-Strohm, seit 2011 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, wurde am 11. November von der Synode der EKD zum Nachfolger des bisherigen Amtsinhabers, Dr. h. c. Nikolaus Schneider, bestimmt. Der neue Ratsvorsitzende der EKD, so Dr. Graumann, habe sich stets vorbildlich für den christlich-jüdischen Dialog sowie gegen Antisemitismus eingesetzt. Der Zentralrat sei sicher, mit ihm auch künftig vertrauensvoll zusammenarbeiten zu können. Gleichzeitig würdigte Dr. Graumann Nikolaus Schneider als einen stets verlässlichen Bündnispartner der jüdischen Gemeinschaft.

Oldenburg

Ende Oktober ist die langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg, Sara-Ruth Schumann, verstorben. Sara-Ruth Schumann wurde 1938 in Bremen als Tochter eines jüdischen Vaters geboren. Die Familie überlebte die NS-Verfolgung in Deutschland, zum Teil in der Illegalität. 1992 gehörte Schumann zu den Gründern der Jüdischen Gemeinde in Oldenburg. Die begeisterte Kunstkennerin war auch Leiterin des Kulturamts ihrer Stadt und engagierte sich im jüdisch-christlichen Dialog. Für ihr Wirken wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Bei der Trauerfeier würdigte Landesrabbiner Jonah Sievers Schumanns Verdienste um die jüdische Gemeinde. Michael Fürst, der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, dessen stellvertretende Vorsitzende Sara-Ruth Schumann ebenfalls war, betonte ihren Ideenreichtum und ihre beharrliche, aber faire Art.
Die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg zählt mehr als 300 Mitglieder. 1995 wurde sie die erste jüdische Gemeinde nach der Schoa, die eine Frau ins Rabbineramt berief.

Erfurt

Der Platz, an dem die Erfurter Synagoge steht, wurde nach dem ersten Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringens nach dem Zweiten Weltkrieg, Max Cars, benannt. Cars, 1894 geboren, war in der NS-Zeit in den Konzentrationslagern Buchenwald und Theresienstadt inhaftiert. 1945 kam er nach Erfurt zurück und setzte sich für die Neugründung der jüdischen Gemeinde ein. Nicht zuletzt dank seines Engagements konnte in Erfurt der einzige Neubau einer Synagoge in der DDR realisiert werden. Die Synagoge wurde 1952 eingeweiht. Max Cars verstarb im Jahr 1961.
Bei der Einweihungszeremonie würdigte der heutige Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde Thüringens, Professor Reinhard Schramm, Max Cars. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein bezeichnete Cars als einen ganz besonderen Menschen.
Die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Erfurt ist seit dem Hochmittelalter belegt. Die Alte Synagoge der Stadt ist das älteste noch bis zum Dach erhaltene Synagogengebäude Mitteleuropas. Ihre ältesten Bauteile stammen aus dem 11. Jahrhundert. Heute beherbergt die Alte Synagoge ein Museum.

Regensburg

Die Stadt Regensburg will sich finanziell am Bau des geplanten neuen Gemeindezentrums samt Synagoge beteiligen. Das hat Oberbürgermeister Joachim Wolbergs erklärt. Die Gemeinde, die seit Beginn der Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion auf heute rund 1000 Mitglieder angewachsen ist, benötige, so das Stadtoberhaupt, ein neues und größeres Gemeindezentrum. Das sei nicht nur ein Anliegen der Gemeinde selbst, sondern auch der ganzen Stadt. Ilse Danziger vom Vorstand der Regensburger Gemeinde begrüßte, dass der Oberbürgermeister sich öffentlich zu der Verantwortung der Stadt gegenüber der jüdischen Gemeinde bekannt habe. Das sei ebenso wichtig wie die finanzielle Zusage.

Halle

Der diesjährige Emil Ludwig Fackenheim Preis für Toleranz und Verständigung, den die jüdische Gemeinde zu Halle (Saale) verleiht, wurde in diesem Jahr zwei Schulprojekten zuerkannt. Dabei handelt es sich um die Initiative des Philanthropinum Dessau „Gedenkstätte in Wörlitz am Jüdischen Friedhof, Geschichte und Übersetzung der Grabsteine“ sowie um die „Verwandlung der Gedenkstätte des jüdischen Friedhofs in Harzgerode“ der Sekundarschule Harzgerode.
Der Preis ist nach dem 1916 in Halle geborenen Philosophen und Rabbiner Emil Ludwig Fackenheim benannt. Fackenheim konnte 1939 nach KZ-Haft aus dem „Dritten Reich“ fliehen. Er war anschließend jahrzehntelang in Kanada und in Israel tätig und verstarb in Jerusalem im Jahr 2003.