14. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2014 | 8. Kislew 5775

Wechsel an der Spitze

Dr. Josef Schuster ist neuer Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland / Mark Dainow und Abraham Lehrer zu Vizepräsidenten gewählt

Seit dem 30. November hat der Zentralrat der Juden in Deutschland einen neuen Vorstand. Bei der diesjährigen Ratsversammlung, die im Ignaz-Bubis-Gemeindezentrum der jüdischen Gemeinde Frankfurt stattfand, wählte das Präsidium Dr. Josef Schuster zum Nachfolger von Dr. Dieter Graumann, der nach vierjähriger Amtszeit nicht mehr für das Spitzenamt kandidierte.
Dr. Schuster war bisher einer der beiden Vizepräsidenten des Zentralrats. Er ist zudem Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken und bekleidet weitere öffentliche Ämter.
Zu den beiden Vizepräsidenten wurden Mark Dainow, Zweiter Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Offenbach sowie Abraham Lehrer, Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Köln und Vorstandsvorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, gewählt. Der bisherige Vizepräsident Prof. Dr. Salomon Korn kandidierte nicht mehr für das Amt.
Der Präsident und die Vizepräsidenten bilden den Vorstand des Zentralrats. Vier weitere Mitglieder des insgesamt neunköpfigen Präsidiums wurden in ihrem Amt bestätigt: Heinz-Joachim Aris (Dresden), Küf Kaufmann (Leipzig), Hanna Sperling (Dortmund) und Barbara Traub (Stuttgart). Neu ins Präsidium gewählt wurden Vera Szackamer aus München und Milena Winter aus Berlin. Damit sind vier der neun Präsidiumsmitglieder Frauen.
Bei der Ratsversammlung zog Dr. Graumann eine Bilanz seiner Amtszeit. Er betonte die positive Entwicklung der Tätigkeit des Zentralrats, die in dieser Zeitspanne zu verzeichnen war. Er ging auf den Ausbau der Infrastruktur des jüdischen Lebens ein und nannte dabei unter anderem die heute regelmäßig stattfindenden Rabbinerodinationen. Allerdings betonte er auch die Notwendigkeit eines anhaltenden Kampfes gegen den Antisemitismus. Dr. Graumann begrüßte die Übernahme des Präsidentenamtes durch Dr. Schuster, bei dem sich der Zentralrat in allerbesten Händen befände. Seinerseits würdigte Dr. Schuster die Verdienste seines Amtsvorgängers, der neue Strukturen geschaffen und den Zentralrat auf eine festere Grundlage gestellt habe.
Nach seiner Wahl zum Präsidenten bezeichnete es Dr. Schuster als eine zentrale Aufgabe, die jüdischen Gemeinden zu stärken. Die Gemeinden, betonte er, seien das Fundament des als Dachverband agierenden Zentralrats. Zugleich sei die jüdische Gemeinschaft Teil der deutschen Gesellschaft und wolle das Leben in Deutschland auch künftig mitgestalten.
Der Zentralrat, so Dr. Schuster ferner, wolle das Positive am Judentum betonen, doch werde er auch künftig seine Stimme, wo erforderlich, gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus erheben. Es wäre illusorisch zu glauben, dass sich der Zentralrat dieser Aufgabe nicht mehr zu stellen brauche. Er bekräftigte den Wunsch des Zentralrats nach einem Dialog mit der muslimischen Gemeinschaft, erklärte aber, der Zentralrat habe kaum Möglichkeiten, dem innerhalb dieser Gemeinschaft vorhandenen Antisemitismus direkt entgegenzutreten. Dies sei eine Aufgabe muslimischer Verbände, so wie sich der Zentralrat der Juden seinerseits gegen Islamfeindlichkeit wende.
Die Verteilung der Zuständigkeitsbereiche innerhalb des Präsidiums sei, so Dr. Schuster ferner, für die nächste Präsidiumssitzung vorgesehen. Diese sei für Januar geplant.
Die Wahl beim Zentralrat löste ein starkes Medienecho aus. Im Ausland, in der jüdischen Welt, aber auch darüber hinaus, stieß der Wechsel an der Spitze des Zentralrats ebenfalls auf Interesse. Der neue Zentralratspräsident wurde von zahlreichen Gratulanten beglückwünscht, darunter auch von Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.

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