Grußwort des Staatssekretärs im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Georg Eisenreich, bei der Rabbinerordination am 3. November 2014 in Würzburg

Sperrfrist: 3. November 2014, 14.00 Uhr (MEZ). Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

In Vertretung von Herrn Ministerpräsident Horst Seehofer danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihre freundliche Einladung und überbringe Ihnen allen die besten Wünsche und Grüße der Bayerischen Staatsregierung.
Für Würzburg ist es in diesem Jahr eine große Ehre, Gastgeber einer Ordinationsfeier orthodoxer Rabbiner aus dem Rabbinerseminar zu Berlin zu sein.

2. Die jüdische Gemeinde in Würzburg
Die jüdische Gemeinde in Würzburg kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken. Nach Rückschlägen im Spätmittelalter hat es erst ab 1803 nach und nach wieder jüdisches Leben in Würzburg gegeben.
In der Folgezeit

  • ist die Zahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Würzburg wieder angestiegen
  • und hat um die Wende zum 20. Jahrhundert einen Höchststand von etwa 2.500 Mitgliedern erreicht.


Während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs fand das Wirken der jüdischen Gemeinde ein tragisches Ende.
Der damals stattfindende Zivilisationsbruch - der auf totale Vernichtung abzielende Antisemitismus - wird immer Teil unserer Erinnerung sein.
Sie wird uns stets die Verantwortung bewusst machen, alles dafür zu tun, dass es nicht wieder geschieht. Gerade auch im Alltag dürfen wir dies niemals vergessen.

Wir sind heute dafür dankbar, dass

  • wenige Jahre nach Kriegsende in Würzburg wieder jüdisches Gemeindeleben entstanden ist.
  • und im Jahr 1970 eine neue Synagoge errichtet wurde.


Heute hat die jüdische Gemeinde in Würzburg etwa 1.100 Mitglieder. Seit 2001 leitet ein eigener Rabbiner die Gemeinde.

3. Neues jüdisches Gemeinde- und Kulturzentrum „Shalom Europa“
Wir feiern in den Räumlichkeiten des neuen jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums „Shalom Europa“. Es

  • wurde 2006 eröffnet
  • und ist ein Zeichen für die gestärkte Verankerung des jüdischen Glaubens in Deutschland.

Dabei versteht sich „Shalom Europa“

  • nicht nur als Einrichtung für die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde,
  • vielmehr dient es auch der Kommunikation über die Gemeinde hinaus.


Als Jugendtagungsstätte unter anderem mit Schabbat-Programmen und religiösen Fortbildungskursen leistet „Shalom Europa“ einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und zum kulturellen und religiösen Austausch unter jungen Menschen.
Als Vertreter der Bayerischen Staatsregierung freue ich mich, dass das jüdische Leben in Deutschland wieder wächst. Heute bestehen in Deutschland über 100 jüdische Gemeinden mit über 100.000 Mitgliedern.

4. Gesellschaftliche Aufgabe des Rabbiners

  • Rabbi Shlomo Aminov
  • und Rabbi Jakov Pertsovsky

sind Absolventen des Rabbinerseminars zu Berlin. Das Seminar gehört zu den führenden Ausbildungs-Institutionen orthodoxer Rabbiner in Deutschland.
Mit der heutigen Zeremonie feiern wir zum vierten Mal die Ordination von Absolventen dieses Rabbinerseminars.
Rabbiner erfüllen heute vielfältige Funktionen, die weit über den religiösen Bereich hinausreichen:

  • Sie vermitteln die Werte und Traditionen des Judentums nach innen wie nach außen,
  • tragen hierdurch wesentlich zur Verankerung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Deutschland bei
  • und fördern Verständnis und Toleranz innerhalb unserer Gesellschaft.


Darüber hinaus unterstützen sie ihre Gemeindemitglieder aber auch

  • beim Erwerb von Sprachkenntnissen oder bei der Arbeitsplatzsuche
  • und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Integration von Zuwandern.


Daher ist das Amt eines Rabbiners eine große Herausforderung mit vielen verantwortungsvollen Aufgaben.

5. Schluss
Sehr geehrte neue Rabbiner!
Für Ihr künftiges Wirken im Dienste Ihrer Gemeinden in Bonn und Chemnitz wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute sowie viel Kraft und Erfolg.