14. Jahrgang Nr. 10 / 31. Oktober 2014 | 7. Heshvan 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Düsseldorf

Die Rockband „Die Toten Hosen“ und der Prorektor der Düsseldorfer Robert Schumann Hochschule für Musik, Professor Thomas Leander, erhielten im Oktober die Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Die Verleihungszeremonie fand in der Düsseldorfer Synagoge statt. „Die Toten Hosen“ waren im vergangenen Jahr zusammen mit jungen Musikern der Hochschule in Düsseldorf bei drei Konzerten aufgetreten und hatten Musik gespielt, die im „Dritten Reich“ als „entartet“ verboten war. Die bekannte Band setzt sich bereits seit Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus ein.
Bei der Verleihungszeremonie würdigte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Dr Oded Horowitz, die Konzertreihe und erklärte, damit seien die in der NS-Zeit diffamierten musikalischen Werke und die lange totgeschwiegenen Künstler dem Vergessen entrissen worden. Zu den bisherigen Trägern der Josef-Neuberger-Medaille gehören unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und Roman Herzog sowie die Verlegerin Friede Springer.

Schwabach

In der Stadt Schwabach (Regierungsbezirk Mittelfranken) entsteht ein neues jüdisches Museum. Es wird dem Jüdischen Museum Franken zugehören, das bereits Museen in Fürth und Schnaittach unterhält. Die Eröffnung ist für Mai 2015 geplant.
Im Mittelpunkt der neuen Einrichtung, so die Leiterin des Jüdischen Museums Franken, Daniela Eisenstein, stehe eine historische Laubhütte (Sukka) mit einer Wandmalerei und einer Kassettendecke. Die Sukka sei ein einmaliges Zeugnis jüdischen Kulturerbes. Der Oberbürgermeister der Stadt, Matthias Thürauf, brachte seine Genugtuung über das Projekt zum Ausdruck. Das Museum entsteht in der Synagogengasse, in der neben der 2002 bei einer Haussanierung entdeckten Laubhütte auch das Synagogen- und Lehrhausgebäude erhalten ist. Um das Konzept eines Museums realisieren zu können, trat die Stadt 2009 dem Trägerverein Jüdisches Museum Franken bei.
Das Jüdische Museum Franken möchte die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Schwabach besser dokumentieren und sucht nach Gegenständen, Dokumenten und niedergeschriebenen Erinnerungen zu diesem Thema. Schirmherr des Schwabacher Projekts ist der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein.

Bad Nauheim

Der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Monik Mlynarski, wurde zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Mlynarski ist seit 1986 Gemeindevorsitzender. Er wurde 1923 in Polen geboren und durchlitt während der Schoa schwerste KZ-Haft. Er wurde in Buchenwald befreit. Die Ehrenbürgerwürde wurde ihm in Anerkennung seiner Verdienste um die Aussöhnung verliehen. Trotz seines schweren Verfolgungsschicksals, so Bürgermeister Armin Häuser, sehe Mlynarski immer auch das Gute im Menschen und sei ein Beispiel für ein friedliches Miteinander von Religionen und Kulturen. Die Jüdische Gemeinde Bad Nauheim hat mehr als 300 Mitglieder. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auf den ganzen Wetteraukreis, doch leben die meisten Gemeindemitglieder in Bad Nauheim, Friedberg und Butzbach.

Lörrach

Die jüdische Gemeinde Lörrach baut ihre Infrastruktur aus. Neben der Synagoge wird derzeit ein neues Gebäude errichtet, in dessen Erdgeschoss eine Begegnungsstätte und ein koscheres Café untergebracht werden sollen. Im Obergeschoss ist eine Kinderkrippe vorgesehen; da das Gebäude über keinen Außenbereich verfügt, ist die Einrichtung eines Kindergartens an diesem Standort nicht möglich. Die Kinderkrippe soll ihren Betrieb im September 2015 aufnehmen. Mit dem Vorhaben will die Gemeinde jüdisches Leben in der Stadt weiter verankern.

Limburg

Christa Pullmann, Mitbegründerin der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Limburg und deren geschäftsführende evangelische Vorsitzende, wurde von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Damit würdigte das Staatsoberhaupt Pullmanns langjährigen Einsatz für das jüdische Leben und die Dokumentierung der jüdischen Geschichte in der hessischen Stadt sowie Pullmanns Kampf gegen Antisemitismus, Menschenverachtung und Intoleranz.