14. Jahrgang Nr. 10 / 31. Oktober 2014 | 7. Heshvan 5775

Graumann im Gespräch

In einem neuen Interview-Buch gibt der Zentralratspräsident eine Fülle von Informationen zum jüdischen Leben in Deutschland und zu seiner eigenen Biografie

Im Münchner Kösel-Verlag ist das Buch „Ab heute heißt du Dieter! – Graumann im Gespräch“ erschienen. In dem von Werner D’Inka und Peter Lückemeier herausgegebenen Band sind Gespräche mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, aufgezeichnet. Zu den Gesprächsthemen gehören unter anderem Dr. Graumanns Kindheit als Sohn von Holocaust-Überlebenden, die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, Kontroversen um antisemitische Vorfälle, die Tätigkeit des Zentralratspräsidenten und der Staat Israel. In die Rubrik „Kindheit“ gehört übrigens auch der Buchtitel: Als der kleine David in Frankfurt eingeschult wurde, schärften ihm die Eltern ein, von nun an laute sein Name Dieter. Sie wollten nicht, dass ihr Sohn als Jude auffiel.
Allerdings erfährt der Leser auch manches über Dr. Graumanns Erfahrungen als Volkswirt bei der Bundesbank und über die jiddische Sprache. Mit großer Offenheit erzählt der Zentralratspräsident von seiner Tätigkeit in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, von den Gründen, die ihn zu seinem Engagement beim Zentralrat bewogen haben, sowie von seinem Mentor (und einem seiner Amtsvorgänger) Ignatz Bubis. In den Gesprächen verwischt gelegentlich die Grenze zwischen dem persönlichen Bereich und der öffentlichen Tätigkeit des Interviewpartners, und auch das hat seine Logik: Der Einsatz für jüdische Belange ist ohne tiefe persönliche Überzeugung bekanntlich nicht möglich.
So entsteht ein Gesamtbild, das weit über die Summe seiner Einzelteile hi­nausgeht und eine Fülle von Details bietet, die nicht jedermann bekannt sind. Gerade das macht es schwer, den Inhalt der Gespräche in wenigen Sätzen zusammenzufassen, allerdings sorgt die Form des ungezwungenen Dialogs für gute Lesbarkeit des 159 Seiten starken Buches.

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