14. Jahrgang Nr. 10 / 31. Oktober 2014 | 7. Heshvan 5775

Demokratisch, pluralistisch, repräsentativ

Ende November tritt die Ratstagung des Zentralrats der Juden in Deutschland zusammen

Am 30. November findet in Frankfurt die jährliche Ratstagung des Zentralrats der Juden in Deutschland statt. In diesem Jahr werden nicht nur Beschlüsse über Politik, Organisation und etwaige Satzungsänderungen des Zentralrats getroffen, sondern, wie alle vier Jahre, auch die Ämter im neunköpfigen Präsidium und dem dreiköpfigen – aus dem Präsidenten und den Vizepräsidenten bestehenden – Vorstand wieder- beziehungsweise neubesetzt, je nach Entscheidung der Delegierten und der Direktoriumsmitglieder. Somit kommt der diesjährigen Tagung besonders große Bedeutung zu: und zwar nicht nur wegen der zu treffenden Entscheidungen, sondern auch als Ausdruck der demokratischen Grundordnung unserer Organisation.
Auf einen kurzen Nenner gebracht: Um in eines der Zentralratsgremien entsandt zu werden, müssen die Kandidatinnen und Kandidaten in ihrer Heimatgemeinde verwurzelt sein und deren Vertrauen genießen. Das garantiert, dass alle Amtsinhaber des Zen­tralrats das Gemeindeleben, die Erfolge und die Nöte der Gemeinden kennen und das Leben ihrer jeweiligen Gemeinde bereits mitgeprägt haben. So kann der Zentralrat seine Aufgabe, die jüdische Gemeinschaft nach außen zu vertreten und bei der Stärkung des jüdischen Lebens nach innen zu helfen, kompetent erfüllen. Das gilt umso mehr, weil ein Amt beim Zentralrat nur um seiner selbst willen und damit nur aus einem persönlichen Engagement für die jüdische Sache angestrebt werden kann. Nicht nur sind Mitglieder des Direktoriums, des Präsidiums und des Vorstands ehrenamtlich tätig, vielmehr stellen sie, um die ihnen übertragenen Aufgaben zu erfüllen, einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Arbeit wie ihres privaten Lebens zurück.
Die demokratische Legitimation und das persönliche Engagement sind eine entscheidende Grundlage der Glaubwürdigkeit, die sich der Zentralrat in der jüdischen Gemeinschaft wie in der nichtjüdischen Öffentlichkeit als der authentische, pluralistische und zuverlässige Verfechter jüdischer Interessen und Partner aller demokratischen Kräfte im Kampf um eine freiheitliche, auf gegenseitige Akzeptanz gebaute deutsche Gesellschaft erworben hat.
In religiöser Hinsicht vertritt unsere Organisation nicht nur die gemeinsamen Interessen aller Strömungen des Judentums, sondern vereinigt sie auch institutionell unter einem Dach. Im Zentralrat sind Gemeinden und Landesverbände aller Richtungen und Ausprägungen vertreten. Das möglich zu machen, war und bleibt ein grundlegendes Prinzip.
Die Zahl der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die ihre Gemeinden leiten, ist enorm gestiegen, oft nach der erforderlichen Zeit der Eingewöhnung und der Integration. Das ist eine nicht hoch genug einzuschätzende Bereicherung. Zudem ist seit dem Höhepunkt der Zuwanderung eine jüdische Generation herangewachsen, in der die geografische Abstammung keine großen Unterschiede mehr nach sich zieht.
Die demokratische Grundordnung des jüdischen Lebens kommt auch im anhaltenden innerjüdischen Dialog zum Ausdruck. Gerade in den letzten Jahren wurde dieser Dialog ausgebaut und intensiviert, sei es durch die vom Zentralrat veranstalteten Gemeindetage, sei es durch die jährlichen Round-Table-Treffen jüdischer Organisationen und Einrichtungen, bei denen gemeinsame Anliegen auch gemeinsam besprochen werden.
In den kommenden Jahren wird der Zentralrat, wie bisher, nach Kräften versuchen, mit der Zeit zu gehen und seine Arbeit an neue Anforderungen und Herausforderungen anzupassen. An seiner demokratischen Struktur, seinem Pluralismus und seiner Repräsentativität wird sich indessen nichts ändern.

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