14. Jahrgang Nr. 9 / 26. September 2014 | 2. Tischri 5775

Ein zuverlässiger Verbündeter

Israel leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der freien Welt

Während der israelischen Verteidigungskampagne in Gaza haben Israels Freunde mehr Solidarität westlicher Demokratien mit dem jüdischen Staat angemahnt. In der Tat verdient das von auf seine Vernichtung sinnenden Feinden umringte Land, das zudem die einzige Demokratie des Nahen Ostens ist, Sympathie und Unterstützung durch die Öffentlichkeit anderer demokratischer Staaten. Allerdings schulden diese Staaten Israel Solidarität nicht nur aus Gründen der Fairness und der Moral. So wichtig die moralische Komponente der Politik ist, tut der Westen Israel nämlich keinen einseitigen Gefallen, sozusagen von Vormund zu Mündel, wenn er sich auf seine Seite stellt. Vielmehr sind Israel und die anderen Demokratien der Welt nicht nur durch gemeinsame Werte, sondern auch durch aus diesen Werten abgeleitete, starke gemeinsame Interessen verbunden.
Seinerseits leistet Israel bereits seit vielen Jahren einen bedeutenden Beitrag zur Sicherheit der freien Welt. Wie wichtig das ist, wird angesichts der vom Nahen und Mittleren Osten ausgehenden Gefahren für die Stabilität Europas und der USA gerade in diesen Tagen in besonderem Maße deutlich. Extremistische Kräfte der krisengeschüttelten Region bedrohen nicht nur die Wirtschaftsentwicklung westlicher Länder, etwa durch eine Gefährdung der Energieversorgung, vielmehr stellen die Brückenköpfe, die Dschihadisten inzwischen im Westen aufbauen konnten, auch eine Gefahr für das soziale Gefüge wie für die innere Sicherheit dar. In absehbarer Zeit kann die äußere Sicherheit westlicher Länder das Risikospektrum ergänzen. Längerfristig will der „globale Dschihad“ nämlich den gesamten Nahen Osten nicht nur beherrschen, sondern auch in ein Sprungbrett zur Bekämpfung der Freiheit und Demokratie in der ganzen Welt verwandeln.
Unter diesen Umständen ist die Existenz Israels ein strategischer Vorteil für die freie Welt. Es ist das einzige Land zwischen dem Atlantik und der Tiefe Asiens, das als ein hundertprozentig zuverlässiger Verbündeter des Westens dienen kann, inklusive der Stationierung von Truppen oder wehrtechnischer Vorratshaltung. Letzteres ist jetzt schon der Fall, wie die amerikanischen Ausrüstungslager auf israelischem Boden zeigen. Gewiss bieten auch andere Länder in Nah- und Mittelost gegenwärtig ähnliche Möglichkeiten, doch lässt sich ihre langfristige Zuverlässigkeit nicht mit der tiefen Verbundenheit vergleichen, die Israel gegenüber dem Westen spürt.
Für Israels strategische Bedeutung ist ein weiterer Umstand wichtig: Dem jüdischen Staat ist es dank seiner Entschlossenheit gelungen, eine für seine Größe fast unglaublich leistungsfähige Armee aufzubauen. Laut dem internationalen Ranking der militärischen Stärke von insgesamt 106 Staaten der Welt, Global Firepower, belegen die israelischen Streitkräfte Rang elf. Nur die USA, Russland, China, Indien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Türkei, Südkorea und Japan verfügen – so Global Firepower – über stärkere Streitkräfte als Israel mit seiner Bevölkerung von gerade mal 8,2 Millionen Menschen.
Solche militärische Macht ermöglicht es dem kleinen Land, seine Rolle als Verbündeter des Westens besonders glaubwürdig zu erfüllen. Es bedeutet nicht, dass Israel in sicherheitspolitischer Sicht, vor allem bei der Versorgung mit Waffen, autark wäre. Das sind auch viel größere Staaten nicht. Allerdings kann es im Krisenfall für sich selbst sorgen, statt – wie manche anderen Staaten der Region, die als pro westlich bezeichnet werden – erst einmal westliche Kräfte zu ihrer Verteidigung zu binden.
Genau genommen ist Israels Verbundenheit mit der freien Welt älter als der Staat Israel selbst. Im Zweiten Weltkrieg meldeten sich 40.000 jüdische Einwohner des britischen Mandatsgebiets Palästina freiwillig zur britischen Armee, um gegen die Nazis zu kämpfen. Das waren neun Prozent der damaligen jüdischen Bevölkerung des Landes. Gewiss hatte das jüdische Gemeinwesen ein lebenswichtiges Eigeninteresse am Sieg über das Dritte Reich – genau darauf beruht ja eine Interessengemeinschaft. Indessen erreichte der Kampfwille der israelischen Juden ein Niveau, das seinesgleichen suchte. Gedankt hat es die Mandatsmacht Großbritannien den Juden nicht: Nach Ende des Zweiten Weltkrieges setzte London seine proarabische Mandatspolitik fort und unterband weitestgehend die jüdische Zuwanderung. Der Verankerung Israels im Westen tat dies nach der 1948 trotzdem erfolgten Staatsgründung jedoch keinen Abbruch.
Auch in Zeiten des Kalten Krieges erwies sich Israel als ein wichtiger Partner der demokratischen Staatengemeinschaft. Der israelischen Armee und dem israelischen Nachrichtendienst gelang es beispielsweise, modernste sowjetische Waffen zu beschaffen, wodurch der Westen wichtige Erkenntnisse in die von der UdSSR ausgehende Bedrohung gewann. So etwa bewerkstelligte Israel im Jahr 1966 die Flucht eines irakischen Piloten mit einer sowjetischen MIG-21. Das Kampfflugzeug wurde nach der Auswertung durch israelische Spezialisten an die USA überstellt. Drei Jahre später entwendete die israelische Armee in einem kühnen Kommandounternehmen eine moderne sowjetische Radaranlage am Suezkanal. Auch das ermöglichte dem Westen Einblicke in die sowjetische Militärtechnologie. Die im Sechstagekrieg und im Jom-Kippur-Krieg erbeuteten sowjetischen Waffen dürfen ebenfalls nicht vergessen werden. Die Situation ging so weit, dass ein damaliger Ostblock-Witz fragte: „Stimmt es, dass die Sowjetunion Israel mit Waffen versorgt?“ Die Antwort: „Ja, aber die Lieferungen erfolgen über arabische Länder.“
Israels Rolle im Kräftemessen zwischen den Demokratien und dem Ostblock ging aber über das rein Militärische hinaus. Der israelische Sieg über die von der UdSSR hochgerüsteten arabischen Staaten im Juni 1967 ließ in den Herzen vieler Menschen in Osteuropa die Hoffnung aufkeimen, das „Vaterland der fortschrittlichen Menschheit“ sei vielleicht doch nicht unbesiegbar: ein psychologisch wichtiger Moment.
Ein gängiges antiisraelisches Vorurteil weist Israel die Rolle eines Störenfrieds in Nahost zu. Die Wirklichkeit sieht genau umgekehrt aus: Durch seine Präsenz stabilisiert Israel die Region und hilft schon seit langem dem Machterhalt durch relativ gemäßigte Kräfte. Bereits 1970 konnte es Jordanien vor der Machtübernahme durch das radikale Syrien bewahren und ist bis heute unausgesprochen eine Schutzmacht des Königreichs. Inzwischen haben auch andere arabische Staaten den Wert Israels für ihre eigene Stabilität erkannt. Dazu gehören in erster Linie Ägypten und Saudi-Arabien. Sie wissen, dass Israel ein Bollwerk im Kampf gegen Kräfte ist, die sie selbst gefährden. Das zeigte sich zuletzt in dem Verständnis dieser beiden Staaten für das israelische Vorgehen gegen die Hamas.
Ein besonderer israelischer Beitrag zur internationalen Sicherheit war die Bombardierung des irakischen Atomreaktors im Jahr 1981. Damit verhinderte die israelische Luftwaffe möglicherweise eine atomare Bewaffnung der irakischen Diktatur. Es wäre mehr als nur Science-Fiction, sich Atomwaffen in den Händen der Terroristen vom Schlag des „Islamischen Staates“ vorzustellen, hätte Israel damals nicht eingegriffen. In diesem Zusammenhang ist auch die Zerstörung des syrischen Atomreaktors vor sieben Jahren zu nennen: Dieser war als Einstieg des syrischen Regimes in ein Atomwaffenprogramm gedacht. Dankbar zeigte sich der Westen gegenüber Israel für die Verhinderung einer atomaren Bewaffnung der irakischen wie der syrischen Diktatur seinerzeit nicht. Indessen ist inzwischen klar, wie sehr der jüdische Staat mit diesen Operationen nicht nur seinen eigenen, sondern auch den Interessen der freien Welt als Ganzes gedient hat.
Israelische Wehrtechnik leistet heute einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit des Westens. Israelische Systeme wurden oder werden von westlichen Ar­meen in Krisengebieten wie Irak oder Afghanistan genutzt. Ein bekanntes Beispiel sind unbemannte Fluggeräte. Die vielleicht wichtigste israelische Technologie, von der der Westen profitieren kann, ist aber die Raketenabwehr. Dabei handelt es sich nicht nur um die „Eiserne Kuppel“, die sich während der Gaza-Operation glänzend gegen Hamas-Raketen behauptet hat, sondern auch um das gegen ballistische Raketen entwickelte System „Chetz“ (Pfeil). Die israelische Raketenabwehrtechnologie garantiert zwar keine Unverwundbarkeit, kann aber die freie Welt ein ganzes Stück sicherer machen: In einer Zeit, in der die Kombination aus unberechenbaren Regimes und Angriffsraketen immer verbreiteter wird, kann dieser Beitrag nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Unter diesen Umständen ist es alles andere als ein Gnadenerweis, wenn Israel ein Sitz an der Tafelrunde der freien Völker eingeräumt wird. Vielmehr hat sich der jüdische Staat diesen Status redlich erworben.

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