14. Jahrgang Nr. 9 / 26. September 2014 | 2. Tischri 5775

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Kinderüberlebende

Kinderüberlebende – jüdische NS-Verfolgte, die die Schoa im Kindesalter überlebt haben – erhalten unter bestimmten Voraussetzungen die Anspruchsberechtigung für Einmalzahlungen in Höhe von 2500 Euro. Das sieht eine neue Vereinbarung zwischen der Conference on Jewish Material Claims against Germany (Claims Conference) und dem Bundesfinanzministerium vor. Wie die Claims Conference im September mitteilte, handelt es sich bei den Berechtigten um Personen, die nach dem 1. Januar 1928 geboren wurden und während der Schoa in NS-Lagern oder Ghettos inhaftiert waren beziehungsweise mindestens ein halbes Jahr im Versteck oder unter falscher Identität leben mussten.
Die für die Zahlungen erforderlichen Mittel werden über einen Fonds zur Verfügung gestellt, der seine Tätigkeit voraussichtlich am 1. Januar 2015 aufnimmt. Weiterführende Informationen sollen nach der noch ausstehenden Bestätigung der Vereinbarung durch den Deutschen Bundestag und die Gremien der Claims Conference bekanntgemacht werden. Die anvisierten Leistungen sind als Zahlungen für psychologische und medizinische Betreuung konzipiert.
Wie der Präsident der Claims Conference, Julius Berman, erklärte, wurden jüdische Kinder durch die Lager- oder Ghettohaft und das Leben in der Illegalität an Seele und Körper traumatisiert. Nach den Worten des Delegationsleiters der Claims Conference, Stuart Eizenstat, haben die Schrecken der Schoa die damals jungen Menschen in zahlreichen Aspekten ihres Lebens beeinflusst.

Kundgebung

Am 31. August fand in Frankfurt eine Kundgebung gegen den Antisemitismus statt. Unter den Teilnehmern befanden sich auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, sowie Vertreter der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Als Redner traten unter anderem der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman und der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Volker Beck, auf. An der Kundgebung nahmen auch zahlreiche Kurden und Jeziden teil, die ihre Solidarität mit Juden zum Ausdruck brachten. Zu der Kundgebung hatten drei Vereine aufgerufen: Honestly Concerned, Freundschaft Deutschland-Israel und ILI (I like Israel).

Mittenwalde

Im brandenburgischen Mittenwalde wurde der alte jüdische Friedhof zu einem Gedenkort umgestaltet. Im September wurde die Gedenkstätte mit einer feierlichen Zeremonie eingeweiht. Der Ende des 18. Jahrhunderts angelegte Friedhof war 1938 von den Nazis verwüstet worden und lag danach Jahrzehnte lang brach. Jetzt soll er als den Ort des Erinnerns dienen.
Der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, Daniel Botmann, brachte bei der Einweihungszeremonie die Anerkennung des Zentralrats für das Projekt zum Ausdruck. Er bezeichnete die Gedenkstätte als steinernes Familienalbum und erklärte, der Ort solle Menschen ermuntern, sich gegen Ausgrenzung und Hass einzusetzen. Die an dem Projekt Beteiligten, so Botmann, hätten das jüdische Leben in der Region Dahme-Spreewald erforscht und es dem Vergessen entrissen.
Für die jüdische Gemeinde Königs Wusterhausen nahm Arkadi Schwarz an der Zeremonie teil. Er würdigte das Andenken an die auf dem Friedhof beigesetzten Menschen. Der Bürgermeister von Mittenwalde, Uwe Pfeiffer, sprach allen, die an der Gestaltung der Gedenkstätte beteiligt waren, seinen Dank aus.

Frankfurt

Die neue Leiterin der I. E. Lichtigfeld Schule der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Dr. Noga Hartman, strebt die Einrichtung einer Oberstufe an der Schule an. Im Fall einer erfolgreichen Realisierung dieses Vorhabens könnte die Lehrstätte ihren Zöglingen ein Schulprogramm bis zum Abitur anbieten. Ferner will Dr. Hartmann den Hebräisch-Unterricht ausbauen. Damit soll der jüdische Charakter der Schule noch stärker zum Ausdruck kommen. Hebräisch-Kenntnisse, so die Schulleiterin, trügen zur jüdischen Identität bei. Die I. E. Lichtigfeld Schule ist nicht nur bei Juden beliebt. Nach Angaben der Schule sind rund 25 bis 30 Prozent aller Schüler nichtjüdisch. Der Unterricht ist für alle Schüler, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, gleich.