14. Jahrgang Nr. 8 / 29. August 2014 | 3. Elul 5774

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Die Union progressiver Juden tagte in Berlin

Solidarität mit Israel, Austausch und Lernen, aber auch ein festlicher Schabbat charakterisierten das 20. Jahrestreffen der Union progressiver Juden in Deutschland (UpJ) am letzten Juli-Wochenende in Berlin. In den Tagungsräumen des Johannesstifts kamen 250 Teilnehmer zusammen. Bei den meisten von ihnen handelte es sich um Mitglieder von Gemeinden der UpJ, doch waren auch viele Mitglieder von Einheitsgemeinden dabei.
Zu Beginn wurde Bundesjustizminister Heiko Maas der Israel-Jacobson-Preis der UpJ für seine Verdienste um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit von Spitzenbeamten im Bonner Justizministerium während der Nachkriegsjahre verliehen. Minister Maas nutzte das Forum, um zu den judenfeindlichen Hassparolen während der Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg Stellung zu nehmen: „Meinungsfreiheit rechtfertigt keine Volksverhetzung und erst recht keine Gewalt“, betonte er. „Antisemitismus darf in Deutschland nie wieder eine Bühne bekommen. Antisemitische Töne bei Demonstrationen in Deutschland dürfen wir nicht akzeptieren.“ Heiko Maas ist der erste nichtjüdische Preisträger dieser Ehrung, deren Namensgeber, Israel Jacobson, Anfang des 19. Jahrhunderts das liberale Judentum begründete.
Die Mitgliederversammlung der UpJ unterstrich am Sonntagvormittag in einer gemeinsamen Resolution mit der Allgemeinen Rabbinerkonferenz das Recht auf Meinungsfreiheit, verurteilte aber Versuche, Judenhass und Rassismus zu schüren und die Gewalt der Nahost-Konflikte auf die Straßen deutscher Städte zu tragen. Israel sei dieser Kampf aufgezwungen worden.
Eine Gesprächsrunde zum Gaza-Krieg, geleitet von Rabbiner Dr. Henry G. Brandt und dem Publizisten Günter B. Ginzel, stieß auf reges Interesse. Die zahlreichen Programmangebote auf Deutsch und auf Russisch setzten sich unter anderem mit den Perspektiven des liberalen Judentums auseinander, hatten sozial- und kulturpolitische Themen zum Anlass oder gingen auf die praktischen Probleme der zuweilen kleinen liberalen Gemeinden ein. So trug etwa ein Workshop des schleswig-holsteinischen Landesrabbiners Dr. Walter Rothschild den launigen Titel „Wie man einen Gottesdienst leiten kann, ohne Gott zu viel zu ärgern“.
Sonja Guentner aus Köln, die wiedergewählte Vorsitzende der UpJ, erklärte gegenüber der „Zukunft“, man wolle weiter an der Professionalisierung der Strukturen der zur Zeit 24 Mitgliedsgemeinden arbeiten. Ziel sei es, jüngere Zuwanderer und Kinder von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion in die Gemeinden zu inte­grieren. Außerdem wolle man verstärkt junge Familien an die Gemeindearbeit heranführen. Künftig werde die UpJ deutlicher beanspruchen, Erbe des in Deutschland vor 1933 dominanten liberalen Judentums zu sein, auch wenn sie in eine moderne weltweite Bewegung eingebunden sei.
Der neue Vorstand besteht vorwiegend aus Frauen. Neben der Vorsitzenden sind das Deborah Tal-Rüttger aus Nordhessen (stellvertretende Vorsitzende), Alexandra Khariakova aus Unna (Integrationsarbeit), die Bad Segebergerin Verena Menn und die Hannoveranerin Michaela Michalowitz (beide Kinder- und Jugendarbeit). Landesrabbiner Rothschild wird sich der religiösen Betreuung widmen, während der Berliner Benno Simoni die Finanzen betreut.
Der langjährige Vorsitzende der UpJ, Dr. Jan Mühlstein aus München, wurde mit der Abraham-Geiger-Plakette ausgezeichnet. Unter seiner Leitung waren die beiden liberalen Landesverbände aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein in den Zentralrat der Juden in Deutschland aufgenommen worden

hpk