14. Jahrgang Nr. 8 / 29. August 2014 | 3. Elul 5774

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Frankfurt

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt ist aus dem in der Stadt tätigen „Rat der Religionen“ ausgetreten. Das Gremium wurde als ein Forum für das Gespräch zwischen den verschiedenen in Frankfurt vertretenen Religionen gegründet. Die jüdische Gemeinde gehörte dem Rat von Anfang an an. Grund des Austritts waren antiisraelische und antijüdische Stellungnahmen muslimischer Repräsentanten. Ein Vertreter der islamischen Religionsgemeinschaft Hessen hatte beispielsweise erklärt, der Zentralrat der Juden in Deutschland instrumentalisiere den Antisemitismus als „Ablenkungsmanöver von Kriegsverbrechen der israelischen Regierung“. Ein anderer muslimischer Vertreter kritisierte den Frankfurter Polizeipräsidenten scharf. Der Grund: Der Polizeichef hatte sich dafür entschuldigt, dass seine Beamten während einer antiisraelischen Kundgebung den Demonstranten ein Mikrofon überlassen hatten, das diese umgehend zum Verbreiten antisemitischer Parolen nutzten. Unter diesen Umständen sah die jüdische Gemeinde einen Dialog zwischen den Religionen als nicht mehr möglich an und trat als Konsequenz von der Mitgliedschaft im Rat zurück.

München

Die Evangelische Akademie Tutzing hat beschlossen, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h. c. Charlotte Knobloch, mit dem „Tutzinger Löwen“ auszuzeichnen. Die Preisverleihung findet am 9. November 2014 statt. Mit der Auszeichnung, so Akademiedirektor Udo Hahn, werde Knoblochs Engagement „für eine jüdische Gegenwart und Zukunft in Deutschland, ihren Maßstab setzenden Einsatz für Versöhnung sowie ihr unbeugsames Eintreten gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus“ gewürdigt. Der „Tutzinger Löwe“ – symbolisiert durch eine Bronzeplastik – wird an Persönlichkeiten verliehen, die für Toleranz und Weltoffenheit eintreten.

Bingen

Im Juli fand in Bingen der erste Schabbat-Gottesdienst seit der „Reichskristallnacht“ im November 1938 statt. Den Gottesdienst hielt Rabbiner Dr. Daniel Katz in dem noch verbliebenen rechten Seitengebäude des ehemaligen Synagogen-Komplexes der Stadt. Der Gottesdienst wurde von der Allgemeinen Rabbinerkonferenz im Rahmen ihres Schaz-Maz-Programms unterstützt. Die Synagoge war während der „Reichskristallnacht“ ausgebrannt, doch die Außenmauern und die Fassade waren erhalten geblieben. 1970 wurden die Synagoge und der linke Seitenflügel des Komplexes abgerissen.
Die Nutzung der Restsynagoge für jüdische Belange ist das Anliegen des „Tiftuf Fördervereins für jüdisches Leben in Bingen heute“. Der Verein wurde 2008 gegründet. 2010 wurden die Räumlichkeiten renoviert. Der Förderverein richtete dort ein Lehrhaus ein, das gegenwärtig für mehr als 20 religiöse und kulturelle Aktivitäten pro Jahr genutzt wird. Die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Bingen ist seit dem 12. Jahrhundert belegt, doch haben Juden wahrscheinlich schon früher in der Stadt gelebt.

SchUM-Städte

Ein neuer Verein will das jüdische Erbe der Städte Speyer, Worms und Mainz stärker herausstellen sowie überregional und weltweit bekannter machen. Der Verein, der den Namen „SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz“ trägt, wurde vom Land Rheinland-Pfalz, von den drei Städten, vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz sowie von den jüdischen Gemeinden Mainz-Worms und Rheinpfalz gegründet. Die Vereinssatzung wurde im Juli unterzeichnet. Das Land und die anderen Gründungsmitglieder des Vereins streben seit längerem den UNESCO-Welterbetitel für die SchUM-Städte an. Die Bezeichnung SchUM leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Städtenamen Schpira, Warmaisa und Magenza ab.

Gründer

Ende Juli ist der Gründer der Website HaGalil, David Gall, nach schwerer Krebserkrankung verstorben. Gall, Jahrgang 1956, hat HaGalil im Jahr 1995 gegründet, um dem Rechtsextremismus und Antisemitismus im Internet entgegenzuwirken. Heute ist HaGalil das größte jüdische Online-Magazin in deutscher Sprache. Das Portal bietet eine Vielfalt aktueller Beiträge und Hintergrundinformationen zu jüdischen Themen aus Deutschland und anderen Ländern, Israel und Nahost sowie zu der jüdischen Religion und Kultur.
www.hagalil.com