14. Jahrgang Nr. 7 / 25. Juli 2014 | 27. Tammus 5774

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Hoschana Rabba (hebräisch/aramäisch)

Der siebte Tag von Sukkot wird Hoschana Rabba genannt. Nach unserer Überlieferung ist das der Tag, an dem das von G’tt an Rosch Haschana geschriebene und am Jom Kippur besiegelte Urteil für das kommende Jahr endgültig wird. Diese Vorstellung hat Hoschana Rabba in die Reihe der Tage gehoben, an denen man erneut um Vergebung der Verfehlungen bittet. Dies zeigt sich vor allem in der Liturgie des Tages, die eine ernste, wehmütige Stimmung verbreitet. Der Vorbeter steht vor seinem Pult in derselben Totentracht, auch „Kittel“ oder „Sargenes“ genannt, wie am Rosch Haschana und am Jom Kippur. Die Melodien der Gebete gleichen denen der Hohen Feiertage.
Vielerorts wird am Vorabend von Hoschana Rabba eine Wachnacht gehalten, während der man das fünfte Buch Mose studiert. Eine Sitte dieses Tages kann man beim Morgeng’ttesdienst beobachten: Bereits der Talmud erwähnt, dass man am Ende des Gebetes ein Bündel Bachweidenzweige nimmt und es auf den Boden schlägt. Vielleicht soll diese Handlung nach der mystischen Vorstellung andeuten, dass ebenso wie die Blätter von den Zweigen abfallen, G’tt unsere Sünden tilgen möge.