14. Jahrgang Nr. 7 / 25. Juli 2014 | 27. Tammus 5774

Spaß am Judentum

Der Bund traditioneller Juden veranstaltete sein drittes „Grande Schabbaton“

Zu seinem dritten „Grande Schabbaton“ hatte der Bund traditioneller Juden (BtJ) junge Erwachsene und junge Familien im Juni für ein langes Wochenende ins Radisson Blu Hotel nach Dresden-Radebeul eingeladen. Der BtJ-Vorsitzende und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Michael Grünberg, konnte rund 250 junge Leute – darunter 72 Kinder –
begrüßen und ihnen die Gelegenheit bieten, an diesen vier Tagen in Gemeinschaft traditionelles orthodoxes Judentum zu erleben, Tora zu lernen und zu feiern. Mitveranstalter waren die Frankfurter Initiative „Jewish Experience“, die jüdische Studierenden-Organisation „Morasha Germany“ und das 3-Rabbiner-Seminar.
Die drei Rabbiner – Avichai Apel (Dortmund), Jaron Engelmeyer (Köln) und Julian Chaim Soussan (Frankfurt/Main) – veranstalten schon seit Jahren gemeinsam Seminare für junge Juden. In Dresden umfasste ihr Angebot vor allem Beziehungsfragen: Wie halte ich Frieden in der Familie? Was verbindet und was trennt orthodoxe und liberale Juden? Wie bewältige ich den schwierigen Prozess der Abnabelung vom Elternhaus und des Erwachsenwerdens? Für Kinder und Eltern boten sie ein eigenes Podium. Dort wurde über die Frage diskutiert, wie jüdische Kinder mit nichtjüdischen Freundschaft und Nachbarschaft pflegen können.
Beziehungs- und Erziehungsfragen spielten auch in anderen Workshops eine Rolle. Männer konnten darüber sprechen, wie man zu einem guten Ehemann wird, und Frauen, was das Geheimnis einer guten Ehe ist oder welche Macht eine jüdische Frau hat. Zur Haltung des traditionellen Judentums gegenüber der Homosexualität bot der Osnabrücker Rabbiner Avraham Radbil einen Gesprächskreis an. Zu den Referenten des Dresdner Schabbatons zum Themenkreis Beziehung und Erziehung gehörten zwei weitere orthodoxe Rabbiner: Doron Kornbluth aus Israel und Shmuel (Shmuley) Boteach aus den USA.
Rabbiner Kornbluth, zugleich Buchautor und Dozent, beschäftigt sich mit Fragen der jüdischen Identität und Erziehung. Er setzt sich dafür ein, dass jüdische Eltern zumindest einige jüdische religiöse Traditionen bewusst, konsequent und mit Freude pflegen, in ihren Alltag integrieren und die Kinder dabei aktiv einbeziehen. Schließlich sei der Einfluss von Mutter und Vater auf die Kinder weit größer als der irgendeiner anderen Person oder Institution. Man müsse mit den Sprösslingen im Übrigen nicht nur darüber reden, welchen Beruf sie einmal ergreifen, sondern auch darüber, welche Art Mensch sie werden wollen.
Rabbiner Boteach wurde als spiritueller Ratgeber des Popstars Michael Jackson (1958–2009) bekannt. Berühmt wurde er aber durch seine Bücher, darunter das 2000 erschienene Werk „Kosher Sex“. Er vertritt die These, dass nicht nur die Liebe für den Zusammenhalt einer Ehe wichtig ist, sondern auch die Lust. Bloße Freundschaft nach dem Feuer der Verliebtheit in den ersten Jahren einer Beziehung sei keine Lösung, sondern eine Quelle von Frustration.
Am Schluss dieses langen Wochenendes wagten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch humoristische Ausflüge. Den Fürther Rabbiner David Geballe und „Tante Marina“ – eine Kunstfigur, hinter der sich der Stuttgarter Kabarettist Alexej Boris verbirgt – beschäftigte das „Was nun?“ nach einer Entscheidung für ein religiöses Leben. Eine andere Gruppe plante die Neugründung einer jüdischen Gemeinde auf dem Mond. Abgerundet wurde dieses Schabbaton durch gleichermaßen interessante wie unterhaltsame Freizeitangebote: einen Spaziergang durch die Weinberge an der sächsischen Elbe, einen Familienausflug zum Barockschloss Moritzburg, einen Auftritt von Alexej Boris mit seinem Programm „Schwarz – Rot – Koscher“ und ein Konzert des aus Los Angeles stammenden Musikers Bruce Berger alias „Rebbe Soul“.
Am Ende des Treffens zeigte sich Michael Grünberg sehr zufrieden. Es seien nicht nur die richtigen Themen getroffen worden, es sei auch gelungen, junge Erwachsene aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen in einem vielseitigen, lehrreichen und unterhaltsamen Ereignis zusammenzuführen: Singles ebenso wie junge Paare und junge Familien. Dass das gelungen sei, sei nicht zuletzt der Unterstützung durch Sponsoren zu verdanken, vor allem aber der großzügigen Förderung durch den Zentralrat der Juden in Deutschland, betonte der BtJ-Vorsitzende.

hpk