14. Jahrgang Nr. 7 / 25. Juli 2014 | 27. Tammus 5774

Erfolgskonzept

Der dritte Round Table bewies die Notwendigkeit und die Nützlichkeit des Gesprächs unter jüdischen Organisationen in der Bundesrepublik

Der runde Tisch hat, jedenfalls wenn man der Artus-Sage glaubt, bereits eine Tradition von anderthalb Jahrtausenden. Danach hat der britische König Artus seine Ritter an eine runde Tafel gesetzt, damit es keinen Streit um den besten Platz gebe. Ob das nun stimmt oder nicht, der Begriff hat sich als die Bezeichnung für ein Treffen unter Gleichen eingebürgert. Inzwischen auch im jüdischen Leben in der Bundesrepublik: Auf Initiative seines Präsidenten, Dr. Dieter Graumann, lädt der Zentralrat der Juden in Deutschland jüdische Organisationen seit 2012 zum sogenannten Round Table ein. Ende Juni dieses Jahres fand in Berlin die dritte dieser Zusammenkünfte statt – wie ihre beiden Vorgängerveranstaltungen dem Dialog, dem Erfahrungs- und dem Meinungsaustausch gewidmet.
Gleich zu Anfang machten Vertreter des Zentralrats deutlich, dass der Runde Tisch, wie es eben seinem Namen entspricht, ein Treffen auf Augenhöhe ist. Wohl sei der Zentralrat, so Dr. Graumann, dank seiner in den letzten Jahren erfolgten Neuaufstellung heute ein jüdisches Kompetenzzentrum und eine „Power-Station“. Allerdings seien auch alle anderen teilnehmenden Organisation „Power-Stationen“. So gehe es darum, die Arbeit verschiedener Akteure durch Verbinden und Vernetzen noch effizienter zu gestalten. Die Zusammenarbeit, betonte der Geschäftsführer des Zentralrats Daniel Botmann, verlaufe wie „in einer kleinen, großen Mischpoche“, wobei der gastgebende Zentralrat für die anderen Organisationen stets eine Ansprechstelle sei und seine Unterstützung anbiete.
Dass eine Dialogbühne gerade für die facettenreiche und über das ganze Land verstreute jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik besonders wichtig ist, bewies allein schon die Teilnehmerzahl. Mehr als 50 Repräsentanten von 32 Organisationen fanden sich in den Berliner Räumlichkeiten des Zentralrats ein. Auch bei der anschließenden Diskussion zeigte sich, wie groß der Einsatz jüdischer Organisationen in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich und darüber hinaus ist.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Round Table stand das Thema Nachwuchsförderung – und zwar auf der ganz praktischen Ebene. Das jüdische Lernfestival Limmud Deutschland gab beim Round Table Einblicke in sein Konzept zur Nachwuchsförderung. Der Vorsitzende Jonathan Marcus und Schatzmeisterin Frauke Ohnholz erläuterten, dass Limmud allein von ehrenamtlichen Helfern getragen werde. Den Freiwilligen werde sehr schnell Verantwortung für einen eigenen Bereich übertragen. Das motiviere die Ehrenamtlichen, bei Limmud mitzuarbeiten.
Auch die Europäischen Makkabi-Spiele (European Maccabi Games, kurz EMG) setzen auf das Engagement junger Menschen. EMG-Geschäftsführer Oren Osterer präsentierte beim Round Table die wichtigsten Informationen über das anstehende Sportereignis, zu dem 2000 Sportler aus 30 Ländern erwartet werden. Sowohl für die Eröffnungsfeier in der Berliner Waldbühne als auch für viele weitere Veranstaltungen werden ehrenamtliche Helfer gebraucht. Osterer nutzte die Berliner Zusammenkunft, um auch die anwesenden Organisationen um Hilfe bei der Suche nach Freiwilligen zu bitten.
Dies sind nur Beispiele für den ebenso intensiven wie nützlichen Austausch, der in Berlin stattfand. Am Ende der Veranstaltung stand die Erkenntnis, dass die – bei Juden in Deutschland, nicht bei britischen Rittern – noch junge Tradition des Runden Tisches sich sehr schnell zu einem Erfolgskonzept entwickelt hat. Es ist zu hoffen, dass sie sich in den kommenden Jahren weiter verfestigt.

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