14. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2014 | 1. Siwan 5774

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Hiob (hebräisch: Ijow):

Das Buch Hiob gehört zum dritten Teil des Tenach, Ketuwim (Schriften). Der Midrasch meint, das Werk sei unserem Lehrer Moses zuzuschreiben. Das Alter des Buches wird auf 2200 bis 2400 Jahre geschätzt. Das Werk behandelt die Frage, ob das Leiden Unschuldiger unter der Herrschaft des gerechten G’ttes vorstellbar ist.
Als G’ttes „Widersacher“ tritt im Buch Hiob das personifizierte Böse, der Satan, auf. Im Hebräischen bedeutet das Wort Satan „Ankläger“. Er schließt mit G’tt eine Wette ab. Er will beweisen, dass Hiob nur so lange G’tt ergeben sein wird, solange es ihm in der Welt gut geht. Der Satan erhält darauf von G’tt die Freiheit, Hiob mit allerlei Leiden in Versuchung zu bringen, seinem Herrn abzuschwören, was dem Satan aber nicht gelingt. Das Werk gilt indessen als eine philosophische Spekulation, da im konsequenten Monotheismus weder der Satan noch seine Wette mit G’tt vorstellbar ist.
Das Buch handelt von mehr als nur einer Leidensgeschichte eines Unschuldigen oder von der Gerechtigkeit G’ttes. Letzten Endes bestätigt die Hiob-Erzählung, dass es möglich ist, G’tt bedingungslos Treue zu erweisen. Hiob erfährt das Leiden als eine Chance, seinen unerschütterlichen Glauben zu demonstrieren.