14. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2014 | 1. Siwan 5774

Hundert Jahre

Das „Joint“ hilft bedürftigen Juden und jüdischen Gemeinden

In diesem Jahr feiert die jüdisch-amerikanische Wohltätigkeitsorganisation Joint (American Jewish Joint Distribution Committee – JDC) den 100. Jahrestag ihrer Gründung. Im Vorfeld des Jubiläums finden Feierlichkeiten statt, in deren Rahmen die Tätigkeit der Organisation gewürdigt wird. Nachdem die Jubiläumsfeiern in den USA bereits im Dezember angelaufen waren, fand im Mai eine Sondertagung des JDC-Direktoriums in Israel statt. Unter anderem kamen die Gäste mit Staatspräsident Schimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammen.
Das JDC wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges gegründet, um notleidenden jüdischen Gemeinden in Osteuropa und in dem vom Osmanen-Reich regierten Israel zu helfen. Schon bald wurde das JDC zum wichtigsten internationalen Symbol jüdischer Wohltätigkeit. In der Zwischenkriegszeit unterstützte das Joint den Aufbau jüdischer Institutionen in Osteuropa und die sozial-ökonomische Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens in Israel. In den zwanziger und dreißiger Jahren durfte es über eine Unterorganisation, das Agro Joint, sogar in der Sowjetunion tätig werden und förderte dort die Ansiedlung von Juden in Agrarsiedlungen. Diese Tätigkeit wurde 1938 durch das sowjetische Regime gewaltsam beendet.
Vor der Schoa half das Joint Juden bei der Auswanderung aus Europa nach Übersee. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Organisation Wohltätigkeitsarbeit in den DP-Lagern auf deutschem Boden durch. Auch half sie bei der Abwicklung jüdischer Auswanderung aus Europa und aus moslemischen Ländern nach Israel. Insgesamt konnte das JDC Hunderttausende von Holocaust-Überlebenden versorgen und ihnen beim Aufbau eines neuen Lebens helfen.
In den sechziger Jahren verstärkte das JDC seine Tätigkeit in Israel. Auch heute ist das JDC-Büro in Jerusalem – in Zusammenarbeit mit der israelischen Regierung und zahlreichen israelischen Einrichtungen – vor allem auf dem Gebiet der Sozialpolitik und Sozialhilfe aktiv. Nach Angaben des Israel-Büros hat die Organisation bisher rund zehn Milliarden Schekel im Lande investiert, nach dem aktuellen Wechselkurs entspräche dieser Betrag etwas mehr als zwei Milliarden Euro.
Nach dem Fall des Kommunismus wurde der ehemalige Ostblock wieder zu einem Schwerpunkt der Arbeit des JDC. Besonderes Augenmerk galt und gilt dabei der ehemaligen Sowjetunion. Dort konzentriert sich die Organisation neben der Armutsbekämpfung auch auf den Aufbau jüdischer Gemeinden und Institutionen. Das JDC ist aber auch in anderen Regionen präsent und insgesamt in 70 Ländern tätig. So führte es beispielsweise im vergangenen Jahrzehnt ein Nothilfeprogramm für die von der Wirtschaftskrise ihres Landes schwer getroffene jüdische Gemeinschaft in Argentinien durch.
Zu den wichtigsten Zukunftsherausforderungen der Organisation, deren Etat vor allem aus Spenden jüdischer Gemeindeverbände und Mäzene in den USA bestritten wird, gehört die Sicherung anhaltender Finanzierung. Das Jahresbudget des JDC liegt bei rund 350 Millionen Dollar.

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