14. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2014 | 1. Siwan 5774

Jubiläen an der Ostsee

Seinen 20. Geburtstag feierte der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern am 25. April mit einem Festakt in der Landeshauptstadt Schwerin. Das Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland war mit seinem Präsidenten Dr. Dieter Graumann sowie den Präsidiumsmitgliedern Mark Dainow und Küf Kaufmann vertreten. Als Gäste aus der Politik konnte der Landesverbandsvorsitzende Valerij Bunimov den Innenminister des Landes Lorenz Caffier (CDU), die Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU), die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) und die Oberbürgermeisterin der Stadt, Angelika Gramkow (DIE LINKE), begrüßen.
Dr. Graumann gratulierte dem Landesverband und den Gemeinden zu ihrem Jubiläum und äußerte die Hoffnung, dass der jüdischen Gemeinschaft im Nordosten bald ein verbesserter Staatsvertrag zuteil werde. Der erste Staatsvertrag wurde 1996, zwei Jahre nach der Gründung des Landesverbandes, mit Unterstützung des damaligen Zentralratspräsidenten Ignatz Bubis geschlossen.
Im April 1994 hatten sich in Rostock und Schwerin nicht nur zwei Gemeinden formiert, sie etablierten auch ihre Dachorganisation, die seitdem die jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern vertritt. Von den mehr als 1500 Mitgliedern im Land gehören 930 zur Schweriner Gemeinde, knapp 600 leben in Rostock. Der Schweriner Gemeinde gehören auch in Wismar lebende Mitglieder an.
2004 wurde in Rostock eine neue Synagoge auf den Grundmauern der alten Synagoge, die aus der Zeit vor 1938 stammte, errichtet. Im Dezember 2008 bekam auch Schwerin am Ort der alten Synagoge ein neues Gemeindezentrum in der heutigen „Landesrabbiner-Holdheim-Straße“. Samuel Holdheim (1806–1860), einer der führenden Vertreter der Reformbewegung seiner Zeit, war sieben Jahre lang Mecklenburgischer Landesrabbiner.
Einen eigenen Rabbiner konnte sich der neue Landesverband allerdings erst wieder 2002 erlauben. Seitdem dient der heute 87 Jahre alte Rabbiner William Wolff den beiden Gemeinden als Landesrabbiner. Wolff wurde in Berlin geboren, hat aber Deutschland 1933 mit seinen Eltern verlassen und den größten Teil seines Lebens in England verbracht. Er ist nicht nur bei den Gemeindemitgliedern äußerst beliebt, sondern hat auch in der weiteren Öffentlichkeit des Landes große Anerkennung gefunden.
Ein Jubiläum feierte im April auch die Jüdische Gemeinde Kiel – die nichtorthodoxe der beiden Gemeinden in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Am 18. April 2004 mit 18 Mitgliedern gegründet, haben sich ihr mittlerweile mehr als 160 Mitglieder angeschlossen. Sie fühlt sich dem liberalen wie dem konservativen Judentum verbunden, betont aber, für alle jüdischen Strömungen offen zu sein. Die erst 2008 eingeweihte Synagoge in der Nähe der von den Nazis zerstörten Synagoge am Schrevenpark ist mittlerweile wieder zu klein. Über ein neues Gebäude sei man mit der Stadt im Gespräch, wird aus der Gemeinde berichtet.

hpk