14. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2014 | 1. Siwan 5774

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Auszeichnung

Bundespräsident Joachim Gauck wurde vom New Yorker Leo Baeck Institut mit der Leo-Baeck-Medaille ausgezeichnet. Das Institut, eine Dokumentations- und Forschungsstätte für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums, würdigt mit dieser Auszeichnung Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die gemeinsame deutsch-jüdische Kultur verdient gemacht haben. Die Medaille ist nicht mit dem vom Zentralrat der Juden in Deutschland für Verdienste um die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik verliehenen Leo-Baeck-Preis zu verwechseln.
Der Bundespräsident begrüßte, dass es seit Jahresbeginn in Berlin ein Büro des New Yorker Instituts gibt. Das, so Gauck, sei nicht nur eine kulturelle und wissenschaftliche Bereicherung, sondern auch ein wichtiges Symbol; Zeugnisse jenes jüdischen Lebens, das Deutschland einst so stark bereichert habe, erhielten damit nach vielen Jahren im Exil wieder einen Ort in ihrer alten Heimat. Rabbiner Ronald B. Sobel, Präsident des Leo Baeck Instituts, erklärte, mit der Auszeichnung werde der Bundespräsident für seine mutigen und integren Positionen und seine ebenso klaren wie sensiblen Worte zu Themen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts gewürdigt.

Dortmund

Die Jüdische Kultusgemeinde Groß-Dortmund brachte eine neue Torarolle ein. Der Festzug, mit dem zahlreiche Gemeindemitglieder und Gäste die neue Rolle begleiteten, führte vom ehemaligen Dortmunder Südbahnhof zur Synagoge. Ab 1942 waren Tausende von Dortmunder Juden vom Südbahnhof deportiert worden. Mit der Wahl dieses Ausgangspunktes für den Festzug, so Gemeindevorstand Zwi Rappoport, wollte die Gemeinde ein Zeichen dafür setzen, dass das Judentum in Dortmund heute lebe und eine Zukunft habe. Rabbiner Avichai Apel verglich den Neuzugang einer Torarolle mit einer Geburt. Eine neue Torarolle, so der Gemeinderabbiner, bedeute neues Leben und sei wie ein neues Familienmitglied, das in die Gemeinde eingeführt werde. Die 25.000 Euro teure Rolle wurde durch Spenden von Gemeindemitgliedern finanziert.

Medaille

Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit zeichnete den katholischen Theologen Prof. Dr. Hanspeter Heinz und den Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken mit der Buber-Rosenzweig-Medaille aus. Dies teilten Präsidium und Vorstand des Koordinierungsrates während der diesjährigen Mitgliederversammlung der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 11. Mai in Bonn mit. Die Verleihung findet im nächsten Jahr statt. Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird Personen zuerkannt, die sich um Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben.

Frankfurt

Eine Spendenaktion zugunsten des Jüdischen Museums in Frankfurt brachte einen Erlös von 103.000 Euro ein. Das Geld kommt dem Aufbau des vom Museum geplanten Familie-Frank-Zentrums zugute (s. „Zukunft“ März 2014). Ein Teil der Mittel wurde von 200 engagierten Bürgern, der Rest von der Kölner Bethe-Stiftung aufgebracht. Die Stiftung hatte zugesagt, Bürgerspenden aus eigenen Mitteln zu verdoppeln. Mit dem Ergebnis der Spendenaktion, so Andreas von Schoeler, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Museums, „sind unsere optimistischsten Erwartungen erfüllt, wenn nicht übertroffen worden“.

Marburg

Amnon Orbach, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Marburg, wurde die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen. Bei der Verleihung würdigte der Marburger Oberbürgermeister, Egon Vaupel, Orbach mit den Worten: „Sie haben unserer Stadt wieder eine jüdische Gemeinde geschenkt und eine neue Synagoge gebaut. Ihre Saat an unvoreingenommener Menschenliebe ist aufgegangen.“ Orbach, 84, lebt seit drei Jahrzehnten in Marburg.
Der Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, erklärte, Amnon Orbach sei für die jüdische Gemeinschaft wie das „ruhige Schiff im Sturm“, aber auch bekannt für seine Ungeduld und Beharrlichkeit, wenn es Probleme zu lösen gelte. Bei der Feier waren zahlreiche Bürger, Politiker und Vertreter anderer Religionsgemeinschaften anwesend.

Bochum

In der Bochumer Synagoge fand im Mai erstmals die Verleihung des vom Freundeskreis der Synagoge gestifteten Otto-Ruer-Preises statt. Der Preis erinnert an den jüdischen Juristen Otto Ruer, der von 1925 bis 1933 als Bochums Oberbürgermeister diente. Nachdem er nach der Machtergreifung durch die Nazis abgesetzt und unter fabrizierten Vorwürfen verhaftet worden war, beging er Selbstmord. Der nach ihm benannte Preis wird an Schüler vergeben, die sich mit dem Thema „Jüdisches Leben in der Gegenwart“ beschäftigen. Teilnahmeberechtigt sind Schulen aus Bochum, Hattingen und Herne.
Den ersten Platz unter den Bewerbern erlangte die Realschule Grünstraße aus Hattingen. Die jungen Leute wurden für ihr Projekt „Hattingen hat jüdisches Leben“ ausgezeichnet. Der zweite Preis ging an die Arbeitsgruppe Geschichte der Bochumer Goethe-Schule für die Erforschung jüdischer Lebensgeschichten und Schicksale. Mit dem dritten Preis wurden die siebten Klassen des Gymnasiums Holthausen in Hattingen ausgezeichnet. Die Schirmherrschaft über den Preis hatte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert, ein gebürtiger Bochumer, übernommen.