14. Jahrgang Nr. 5 / 30. Mai 2014 | 1. Siwan 5774

Israel ist uns Herzenssache!

Zum 66. Unabhängigkeitstag des Staates Israel

Von Dieter Graumann

Im Mai feierten wir den 66. Geburtstag des Staates Israel. „Mazal Tov“ wünschen wir daher von ganzem Herzen! „Mazal Tov“ – das „gute Glück“ – bedeutet für Israel vor allem Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger und Frieden mit seinen Nachbarn. Danach strebt der jüdische Staat auch heute noch, 66 Jahre nach seiner Staatsgründung.
Leider erleben wir zurzeit eine Welle von antiisraelischen Ressentiments, die sich nicht nur in den Köpfen vieler Menschen zu verankern scheinen, sondern auch in Taten einiger Politiker international Ausdruck finden. Auch und gerade innerhalb unserer Europäischen Union.
Die EU versucht immer wieder, mit einseitigen Schritten ungerechten Druck auf Israel auszuüben. Ob es um das „Labeling“ geht, also um eine Sonderkennzeichnung israelischer Produkte aus Gebieten jenseits der Waffenstillstandslinien aus der Zeit vor dem Sechstagekrieg, oder aber um die Verwehrung von Projektförderung. Wo aber bleibt das Labeln von Produkten aus anderen umstrittenen Gebieten oder aber eine restriktivere Maßgabe zur Nutzung von EU-Geldern in den palästinensischen Gebieten, da diese Mittel nur allzu oft für antisemitische Hetze oder gar Unterstützung von Terrorakten genutzt werden?
Anstelle also einer besonderen Beziehung zu dem jüdischen Staat widerfährt diesem eine eher sonderbare Behandlung: unfair und zutiefst ungerecht. Boykottversuche, die Israel international zu isolieren versuchen – und zwar auf vielfältigen Ebenen wie beispielsweise die der Wissenschaft und Kultur – oder lautstarke Delegitimierungskampagnen und „Israel-Bashing“ nehmen immer mehr zu. Israel ist nach wie vor das einzige Land auf der Welt, dessen schiere Existenz infrage gestellt wird.
Deutschland hat hier immer deutlich gemacht, dass es diesem „Trend“ niemals folgen wird und für Israels Existenzrecht eintritt. Die Tatsache, dass man aber für die Existenz eines Staates auch heute noch, 66 Jahre nach seiner Gründung, überhaupt eintreten muss, zeigt doch, dass die israelische Forderung nach Akzeptanz in der Region besonders dringend erforderlich ist.
Nicht selten wird auch der Deckmantel vermeintlich legitimer Israel-Kritik benutzt, um alte Aversionen gegen Juden „politisch korrekt“ auszuleben. Auf jeden Fall wird Israel viel zu oft viel zu einseitig verurteilt und ungerecht beurteilt. In Syrien etwa werden so viele Menschen einfach brutal hingemetzelt. Wo ist der Aufschrei der Welt? Wo bleibt eigentlich das kritische Syrien-Gedicht von Günter Grass?
Und wie geradezu sträflich naiv geht man mit dem Iran um! Zu gern lässt sich der Westen vom scheinheiligen Lächeln des neuen iranischen Präsidenten täuschen. Nach dem Motto: Glauben schenken, nur weil man glauben will. Aber Israel darf für dieses Wunsch-Nirwana doch nicht der Preis sein! Nicht nur, dass der iranische Präsident Rohani zu den Vätern des iranischen Nuklearprogramms gehört. Der oberste Religionsführer Ajatollah Chamenei hat erst vor ein paar Wochen den Holocaust wieder einmal geleugnet und propagiert weiterhin immerzu die Auslöschung des jüdischen Staates. Soll die Welt denn wirklich rabiaten Holocaust-Leugnern vertrauen wollen? Und dass der Iran nach wie vor die Terror-Zentrale der Welt ist, das wissen wir alle ganz genau.
Von allzu vielen Seiten wird dem jüdischen Staat das Recht auf Frieden und Sicherheit verwehrt. Wir alle wünschen uns aber doch nichts sehnlicher, als dass Israel mit einem künftigen palästinensischen Staat in Frieden und Prosperität Seite an Seite lebt. Dafür braucht man auf palästinensischer Seite verlässliche Partner, die einen möglichen Frieden auch in die Herzen der Menschen tragen wollen. Die neue „Versöhnung“ der Fatah ausgerechnet mit der zutiefst antisemitischen Terrororganisation Hamas, deren elementare Existenzgrundlage der reine Hass ist, lässt einem Frieden aber im Moment so gar keine Chance.
Deutschland hat die Sicherheit Israels zur Staatsräson erklärt. Dafür gebührt insbesondere unserer Bundeskanzlerin Dank und Lob. Die Bundesregierung sollte auch weiterhin Vorreiter und Vorbild sein in der Unterstützung des jüdischen Staates, hierzulande, in der EU und weltweit. Vielleicht sogar noch ein wenig lauter und energischer in diesen unruhigen Zeiten. Wir dürfen schließlich niemals vergessen, dass Israel der einzige Staat im Nahen Osten ist, mit dem Deutschland eine wirkliche Wertegemeinschaft teilt: Uns verbinden unsere Auffassungen von Freiheit, Demokratie und Ethik. Israel vertritt nicht nur unsere westlichen Werte, sondern verteidigt sie in einer Umgebung von Unfreiheit und Despotie.
Unsere beiden Länder verbindet aber auch immerwährend die Vergangenheit und hoffentlich fortwährend auch eine gemeinsame Zukunft!
Für uns Juden gilt ohnehin: Wir sind bei diesem Thema niemals neutral. Israel ist uns absolute Herzenssache. Umso mehr jubeln unsere Herzen am 66. Geburtstag des jüdischen Staates!

Dr. Dieter Graumann ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland