14. Jahrgang Nr. 4 / 30. April 2014 | 30. Nissan 5774

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Jews Go Green

Das internationale Netzwerk jüdischer Umweltaktivisten Siach hat Ende März eine Tagung zum Schmitta-Jahr (Brachjahr) veranstaltet, an der auch Vertreter der Umweltinitiative des Zentralrats der Juden in Deutschland, Jews Go Green, teilnahmen. Nach den Schmitta-Vorschriften darf in jedem siebten Jahr im Land Israel weder gepflanzt noch geerntet werden. Seit der Gründung des modernen Israels ist Schmitta wieder ein großes Thema, das auch das Umweltbewusstsein in der Diaspora zu beeinflussen beginnt. Die Schmitta bietet einen neuen Blickwinkel, um das Thema Nachhaltigkeit in der Tora zu finden oder Ökologie aus jüdischer Sicht zu betrachten.
Bei der Londoner Tagung wurden jüdische Umweltprojekte in verschiedenen Ländern vorgestellt. Auch jüdische Umweltaktivisten in Deutschland wollen zu einem Schmitta-Bewusstsein in unseren Gemeinden beitragen und sich im kommenden Schmitta-Jahr 5775/ 2014/15) besonders für einen gesunden, ausgewogenen Lebensstil einsetzen. Jews Go Green, wird Seminare und Workshops zu Schmitta anbieten. Die ersten Schmitta-Veranstaltungen von Jews Go Green wurden für das Limmud-Festival im Mai und für ein WIZO-Seminar zum Tikkun Olam (Verbesserung der Welt) im Juni angekündigt.

Schicksale

Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen (ITS) hat gemeinsam mit der Stiftung Centrum Judaicum Berlin und der Freien Universität Berlin eine Broschüre zum Schicksal von fünf Juden dar, die die Schoa überlebt hatten. Dabei handelt es sich um Menschen, die in der Mitgliederkartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland erfasst sind. Die Reichsvereinigung war in der NS-Zeit eine auf Anweisung des Regimes eingerichtete Vertretung der in Deutschland lebenden Juden. Von der ursprünglich viel umfangreicheren Kartei sind mehr als 32.000 Einträge erhalten. Sie gehören zum Archiv des IST.
Die Broschüre, ist als eine pädagogische Handreichung zur Schoa-Forschung gedacht. Es sei wichtig, dass die Öffentlichkeit davon wisse und sie wissenschaftlich aufarbeite, betonte Dr. Hermann Simon, Direktor der Stiftung Centrum Judaicum. Dr. Simon fand in der Sammlung auch Informationen zu seinem eigenen Vater. Die Broschüre kann kostenlos in Bad Arolsen bestellt werden. [http://www.its-arolsen.org]

Cottbus

Die Jüdische Gemeinde Cottbus erhält eine Synagoge. Das ist das Ergebnis von Gesprächen zwischen der Landesregierung von Brandenburg, der Gemeinde und der evangelischen Nikolaigemeinde in der Stadt. Laut der Vereinbarung veräußert die Kirchengemeinde ihre nicht mehr genutzte Schlosskirche an die jüdische Gemeinde. In dem Gebäude entsteht dann eine Synagoge. Das Land Brandenburg übernimmt die Kaufkosten von 580.000 Euro und wird zudem Betriebskosten von 50.000 Euro pro Jahr übernehmen. Betriebskosten übernehmen. Die Jüdische Gemeinde Cottbus wurde 1998 neugegründet und zählt heute rund 350 Mitglieder. Bisher stand der Gemeinde keine Synagoge zur Verfügung. Die dokumentierte Geschichte von Juden in Cottbus datiert ins 15. Jahrhundert. Während der Schoa wurde die Gemeinde durch Verfolgung, Vertreibung und Ermordung vernichtet.

Göttingen

Die Jüdische Kultusgemeinde von Göttingen und Südniedersachsen konnte im April neue Räumlichkeiten, einschließlich einer Synagoge, einweihen. Die neuen Räumlichkeiten befinden sich in demselben Gebäude, in dem die Gemeinde auch bisher ihren Sitz hatte, doch wird die Erweiterung der Nutzfläche ein geordnetes Gemeindeleben ermöglichen. Bisher musste sich die Gemeinde mit einer kleinen, in einer Zweizimmerwohnung untergebrachten Synagoge begnügen. „Wir waren eine Wandergemeinde“, erklärte die Gemeindevorsitzende Eva Tichauer Moritz, die sich beharrlich für die Expansion eingesetzt hatte. In Göttingen sind zwei jüdische Gemeinden tätig: die liberale Jüdische Gemeinde Göttingen und die konservativ orientierte Jüdische Kultusgemeinde von Göttingen und Südniedersachsen.

Magdeburg

Im April stellte die Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg die Baupläne für die neue Synagoge vor. Die Synagoge, so der Gemeindevorsitzende Wadim Laiter, soll ein Zeichen für Magdeburg, für den Frieden, aber auch ein Zeichen für den Neuanfang sein. Nach den Architektenplänen soll im Erdgeschoss ein großer Veranstaltungssaal entstehen, während im ersten und zweiten Stock die Synagoge untergebracht wird. Die Finanzierung des Projekts steht bisher nicht fest. Sie zu sichern, wird nun die entscheidende Aufgabe sein.