14. Jahrgang Nr. 4 / 30. April 2014 | 30. Nissan 5774

Im Einsatz

Zentralrats-Vizepräsident Dr. Josef Schuster feierte seinen 60. Geburtstag

Bleibt gelassen: Zentralrats-Vizepräsident Dr. Josef Schuster | Foto: wikipedia, mit freundlicher Genehmigung von Aron Schuster
Bleibt gelassen: Zentralrats-Vizepräsident Dr. Josef Schuster

Im Einsatz zu sein ist für Dr. Josef Schuster nichts Neues. Schon als Medizinstudent saß er oft im Krankenwagen des Rettungsdienstes. Auch heute ist der in Würzburg niedergelassene Internist alle 14 Tage als Notarzt unterwegs und rückt im Durchschnitt fünf- bis sechsmal pro Nacht aus. Das ist Teil seines Berufsethos. Gezwungen wird er dazu von niemandem.
Einsatz – ehrenamtlich – zeigt Dr. Schuster, der im März seinen 60. Geburtstag feierte, auch in der jüdischen Gemeinschaft, und zwar ebenfalls schon seit vielen Jahren. Jüdisches Engagement erlebte er bereits im Elternhaus. Sein Vater, David Schuster, war fast vier Jahrzehnte lang Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken. Jossi, so wird er von Freunden bis heute genannt, war von klein an im jüdischen Leben tätig. Seit 1998 ist er – wenngleich nicht in unmittelbarer Nachfolge seines Vaters – der Gemeindevorsitzende in Würzburg.
2002 kam das Amt des Präsidenten des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern hinzu. Nach elfjähriger Mitgliedschaft im Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland wurde er 2010 zu einem der beiden Vizepräsidenten gewählt. Zudem vertritt Dr. Schuster die jüdische Gemeinschaft in der Ethikkommission der Bundesärztekammer und in der Bioethikkommission der bayerischen Staatsregierung.
Wie schafft man es, Beruf und fünf anspruchsvolle Ehrenämter zu bewältigen? „Mit etwas Zeitmanagement geht es schon“, erklärt Dr. Schuster. Ein nettes Understatement. Vier Tage in der Woche behandelt er Patienten in seiner Arztpraxis. In der verbleibenden Zeit widmet er sich seinen öffentlichen Aufgaben. Das eigene Zuhause – übrigens traditionell-religiös und koscher geführt – sieht er in manchen Wochen selten. Jüdisches Engagement hat er auch „vererbt“: Sohn Aron Schuster ist stellvertretender Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.
In der größtenteils aus Immigranten und Kindern von Immigranten bestehenden jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ist Dr. Schuster eine Rarität. „Meine Familie väterlicherseits blickt auf eine 450 Jahre währende Geschichte in Franken zurück“, erläutert er. Zwar wurde er selbst im israelischen Haifa geboren: Sein Vater, der 1938 nach 15-monatiger KZ-Haft Deutschland verlassen musste, und seine Mutter Anita, vor den Nazis aus Oberschlesien geflüchtet, lernten sich in Israel kennen. Allerdings kehrte die Familie 1956 nach Würzburg zurück.
Manchen Zeitgenossen erscheint er als „Super-Jecke“. Nach Art deutscher Juden sei er korrekt, höflich und achte auf Details. Er wisse aber auch, wie man Ruhe mit bestimmendem Verhalten kombiniere, heißt es. Eine Charakterisierung, der der Zentralrats-Vize durchaus zustimmt. Das Jecke-Etikett habe die vorwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Mitglieder seiner Gemeinde allerdings nicht daran gehindert, ihn wiederholt mit großer Mehrheit im Amt des Gemeindevorsitzenden zu bestätigen.
Dr. Schusters sechzigster Geburtstag war für viele ein Anlass, seinen Beitrag zum jüdischen Leben zu würdigen. So schrieb ihm Zentralrats-Präsident Dr. Dieter Graumann unter anderem: „Du verkörperst die allerbesten Seiten unseres Judentums: ein tiefes Wissen, jüdische Seele und Gefühl, Erfahrung und Engagement – und einen außergewöhnlich scharfen analytischen Verstand. In jedem Fall ist es eine Freude und ein Glück für mich, mit dir zusammenarbeiten zu können: mit einem Kollegen, der mir zum Freund wurde, dessen Urteilskraft, Verlässlichkeit und persönliche Loyalität ich ganz besonders schätze.“
Der Jubilar selbst bleibt gelassen: „Ich fühle mich nicht anders als vor dem Geburtstag.“ Man darf ruhig annehmen, dass sich an seinem Einsatz für Mitmenschen im Allgemeinen und für die jüdische Gemeinschaft im Besonderen auch weiterhin nichts ändert.

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