14. Jahrgang Nr. 3 / 28. März 2014 | 26. Adar II 5774

Bewährtes und Neues

Die Erweiterung des Jüdischen Museums Frankfurt soll 2014 anlaufen / Neue Dauerausstellung wird der Familie Anne Franks gewidmet

Das Palais Rothschild ist ein ebenso bekanntes wie markantes Gebäude in Frankfurt am Main. 1821 von der Bankiersfamilie Rothschild gebaut, ist es heute Sitz des Jüdischen Museums Frankfurt. Da dieses aber wegen der angebotenen Themenvielfalt mit dem im klassizistischen Gebäude vorhandenen Platz nicht mehr auskommt, wird seit etlichen Jahren an einem Erweiterungsplan gearbeitet. 2014 soll das Projekt in die Realisierungsphase treten.
Der Erweiterungsbau wird dem Museum die Präsentation eines noch vielfältigeren Ausstellungspektrums als bisher ermöglichen. Die geplanten neuen Räume sollen nämlich Wechselausstellungen dienen.
Für die Erweiterung stellt die Stadt Frankfurt 50 Millionen Euro zur Verfügung. Allerdings bedeutet das nicht, dass das Museum nun alle Etat-Sorgen los wäre. Das ist bei Museen, die ihren Auftrag so umfassend wie möglich erfüllen wollen, bekanntlich selten der Fall. Daher versucht die angesehene Kulturstätte dieser Tage, den Haushalt durch Spenden aufzustocken. Dabei erhält sie Unterstützung aus Köln. Die in der Domstadt ansässige Bethe-Stiftung hat sich bereit erklärt, jeden Euro, der bis zum 4. Mai dieses Jahres für den Erweiterungsbau gespendet wird, zu verdoppeln.
Mit dieser besonderen Form der Förderung möchte man, anders als bei einer direkten finanziellen Zuwendung, „die Eigeninitiative stärken und die Bevölkerung dazu aufrufen, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden“, heißt es in einer Begründung der Stiftung. Plakate, Anzeigen sowie eigene Spendenwerbeaktionen sollen die Frankfurter derzeit auf das Projekt „Erweiterung des Jüdischen Museums“ aufmerksam machen. Symbol für diese Aktion ist ein farbiger Puzzle-Stein, um das gemeinsame Engagement, durch das erst ein Gesamtbild entstehen kann, hervorzuheben. Und tatsächlich sind bereits etliche kleinere Spenden bei den Freunden und Förderern eingegangen.
Ihrerseits hat es sich die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Museums zum Ziel gesetzt, zwei Millionen Euro durch Spenden zusammenzutragen, vor allem um zusätzliche Ankäufe für die Dauerausstellung – diese bleibt im Palais – zu ermöglichen. In Frankfurt sei es seit Jahrhunderten „beste Bürgertradition“, mit privatem Engagement kulturelle Einrichtungen zu fördern, betont der Vorsitzende der Gesellschaft, der frühere Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler.
Ein Flaggschiffprojekt ist dabei ein neuer, Anne Frank und ihrer Familie gewidmeter Teil der Dauerausstellung. Gewiss zählt Anne Frank weltweit zu den berühmtesten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Ihre Aufzeichnungen aus dem Geheimversteck in Amsterdam, wo sie und ihre Familie sich vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten mehrere Jahre lang verborgen hielten, wurden in 55 Sprachen übersetzt. Und doch ist eine Anne-Frank-Ausstellung in Frankfurt etwas Besonderes, wurde doch das Mädchen 1929 in Frankfurt geboren. In ihr Tagebuch notierte sie am 5. April 1944, sie wolle „nicht umsonst gelebt“ haben, sondern „den Menschen … Freude und Nutzen“ bringen. „Ich will fortleben, auch nach meinem Tod“, beendete die damals 15-Jährige diesen Eintrag. Knapp ein Jahr später, im März 1945, stirbt sie im KZ Bergen-Belsen an Typhus. Ihrem Vermächtnis will die Frankfurter Ausstellung Rechnung tragen.
Annes Cousin Buddy Elias, seit 1996 Präsident des von Annes Vater Otto Frank gegründeten „Anne Frank Fonds“ (AFF), hat sich bereit erklärt, das umfangreiche Archiv des AFF sowie eine einzigartige Sammlung an Briefen, Notizen, Fotografien, Spielzeug, Porzellan, Möbeln und Gemälden aus dem Besitz seiner Familie dem Jüdischen Museum Frankfurt zu überlassen – ein „enormer Vertrauensbeweis“, wie der stellvertretende Museumsdirektor Fritz Backhaus findet.
Geplant ist, aus diesem reichen Schatz ein „Familie-Frank-Zentrum“ aufzubauen – mit einem Archiv, das der Forschung zur Verfügung stehen wird. Vor allem aber sollen das Leben und die Geschichte der Franks, deren Wurzeln bis ins Frankfurt des 16. Jahrhunderts zurückreichen, dokumentiert werden, um anhand des Schicksals dieser einen Familie exemplarisch jüdisches Leben in Deutschland im Wandel der Jahrhunderte darzustellen.

Barbara Goldberg/zu