14. Jahrgang Nr. 1 / 31. Januar 2014 | 30. Schwat 5774

„An der Tora darfst du nicht rütteln“

Rabbiner Shlomo Appel verstorben

Von Rozsika Farkas

Die zweitgrößte jüdische Gemeinde Bayerns hat ihr geistliches Oberhaupt verloren. Am 18. Dezember 2013 ist der Straubinger Rabbiner Shlomo Appel im Alter von 80 Jahren verstorben.
Rabbiner Appel hat sich große Verdienste um die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik erworben, doch war Deutschland nur eine der Stationen seines Lebens. Der 1933 in Siebenbürgen Geborene kam als Fünfzehnjähriger nach Israel. Er unterrichtete an Jeschiwot und lebte zuletzt in Beer-Schewa, bevor er Anfang 1989 nach Deutschland übersiedelte.
Seine ersten Stationen hierzulande waren Fürth und Frankfurt, wo er Maschgiach und Vorbeter war. Nach einem ersten Aufenthalt in Straubing kam er als Rabbiner nach Mainz, kehrte 1993 jedoch nach Straubing zurück. Eine traditionsreiche Gemeinde – frühe Spuren jüdischen Lebens in Straubing reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück –, die aber zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung mit gerade mal 60 Angehörigen eine der kleinsten in Deutschland war. Erst durch den Zustrom der Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen UdSSR wuchs die Gemeinde gewaltig an und zählt heute rund 900 Mitglieder.
Rabbiner Shlomo Appel war weit über die Gemeinde hinaus respektiert, sein Verhältnis zu den christlichen Mitbürgern war harmonisch. „Sein Motto war nicht ‚Woche der Brüderlichkeit‘, sondern ‚Jahr der Büderlichkeit‘“, sagt Witwe Jaffa Appel.
Als äußerst korrekt beschreiben ihn alle, die ihn kannten, als jemanden, der Würde und Autorität ausstrahlte. Auch war er ein herausragender Tora-Leser. Für den Vorsitzenden der Gemeinde, Israel Offman, war er der beste Tora-Leser, den er je gehört habe. Obwohl Shlomo Appel die Heilige Schrift praktisch auswendig rezitieren konnte, bereitete er sich auf jede Lesung sorgfältig vor. „Er lebte treu den jüdischen Gesetzen“, sagt Jaffa Appel, „,an der Tora darfst du nicht rütteln‘ war seine Maxime.“
„Bei ihm konnte man viel lernen“, erinnert sich Hannah Zisler, Geschäftsführerin des Straubinger Gemeindezentrums. Eine Sache ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Um davor zu warnen, vorschnell ein Urteil über andere zu fällen, habe er erklärend demonstriert: „Wenn du mit einem Finger auf andere zeigst, zeigen drei Finger auf dich selbst.“